Albanien: Kultur

Die Entstehung der albanischen Kultur wurde durch türkische, italienische und griechische Einflüsse, sowie durch den hohen Grad an Analphabetismus in der Bevölkerung verlangsamt. Erst mit der Entwicklung eines nationalen Selbstbewusstseins im 19. Jahrhundert erwachten die albanischen Künste.

Die ältesten Zeugnisse der albanischen Literatur gehen auf das 15. Jahrhundert zurück. Neben den Übersetzungen religiöser Texte (Gjon Buzuku), zeichnete sich diese Epoche durch historische und humanistische Werke (Marin Barleti, Gjon Gazulli) aus. Im 17. Jahrhundert erschien die erste lateinisch-albanische Grammatik von Andrea Bogdani, die einen großen Einfluss auf die Literatur hatte, zum Beispiel auf Pjetër Bogdani, der mit Cuneus Prophetarum das bedeutendste Prosawerk der frühen albanischen Literatur schuf. Das 19. Jahrhundert prägte entscheidend die kulturelle Entwicklung des Landes. Zu den bedeutendsten Schriftstellern dieser Zeit zählen Gjergj Fishta, Jeronim de Rada und Naim Frasheri. Im 20. Jahrhundert wirkten Fan Noli, Mimoza Ahmeti und Ismail Kadare.
 
Die Musik in Albanien kann auf eine reiche Vergangenheit zurückblicken. Die Volkslieder Nordalbaniens zeichnen sich durch Einklang-Melodien und einen epischen Charakter der Lieder aus, während in Südalbanien Mehrklang-Melodien überwiegen. Bis heute sind Volksmelodien und Tänze ein wichtiger Bestandteil der albanischen Kultur. Im 19. Jahrhundert entstand die professionelle klassische Musik in Albanien. Zu den bedeutendsten Komponisten gehören Mart Gjoka, Çesk Zadeja und Preng Jakova.
 
Die albanische Malerei entstand im Mittelalter unter starkem Einfluss der byzantinischen Schule, die während der Renaissance durch italienische Techniken bereichert wurde. Die ersten Tätigkeitsfelder der Malerei waren die Bemalung von Räumen und die Ikonenmalerei. Der berühmteste Vertreter dieser Epoche war der Geistliche Onufri, der auch die Kathedrale von Berat ausschmückte. Im 18. Jahrhundert war das Barock die vorherrschende Richtung in der Malerei (Konstandin Shpataraku, David Selenica, Athanasas Zografi). Weltliche Themen ergänzten die Malerei im 19. Jahrhundert (Kole Idromeno und Jorgji Panariti). In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts trat der Impressionismus (Vangjush Mio) in den Vordergrund. Zu dieser Zeit gab es aber auch andere Stilrichtungen wie Realismus oder Romantik, die jedoch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vom Sozialistischen Realismus verdrängt wurden.
 
Die Architektur Albaniens konnte in ihrer Entwicklung auf antike Vorbilder zurückgreifen. Die ältesten zum Teil erhalten gebliebenen Bauwerke gehen auf die illyrische Epoche im 2. – 1. Jahrtausend v.Chr. zurück (Shkodra, Pogradec). Aus der Zeit der Antike findet man noch Reste von Befestigungsanlagen, Brücken, öffentlichen Bädern und Villen (Butrint, Durrës, Apollonia). Die Architektur des Mittelalters ist vor allem durch Kirchenbauten geprägt, wobei im Norden Albaniens die westeuropäische Bauweise dominierte (Durrës, Shkodra) und im Süden die byzantinische (Labova e Kryqit, Mesopotam). Die Epoche der osmanischen Besetzung hinterließ ausgezeichnete Beispiele der islamischen Architektur, wie zum Beispiel Moscheen, Paläste und Bäder (Berat, Gjirokastra, Elbasan, Vlora). Während des 1. Weltkrieges hinterließ Frankreich architektonische Spuren (Korça).

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