Andorra: Geschichte

Die Gebiete des heutigen Fürstentums Andorra wurden in der frühgeschichtlichen Periode von den Stämmen der Andosiner besiedelt. Zur Zeit der Völkerwanderung vermischten sich jedoch diese Stämme mit den Basken und den benachbarten Westgoten.
 
Im 8. Jahrhundert fielen die Araber in die Gebiete ein. Karl der Große versuchte den Vormarsch der Araber zu beenden, was zu Beginn des 9. Jahrhunderts zur Gründung der Spanischen Mark führte, die die Grenzen schützen sollte. Im Jahre 839 fielen die Gebiete an den Grafen von Urgell, die bis zum 12. Jahrhundert in ihrem Besitz blieben. Im Jahre 1133 schenkten sie das Territorium des heutigen Andorra an das Bistum von Urgell, das noch heute eines der beiden Staatsoberhäupter des Landes darstellt. Die benachbarten Grafen von Foix beanspruchten ebenfalls Andorra. Nach zahlreichen Kämpfen endeten diese Auseinandersetzung im Jahre 1278 durch ein Friedensabkommen, das beide Kontrahenten gleichermaßen zur Herrschaft befähigte.
 
Im Jahre 1419 schlossen sich die Oberhäupter der einflussreichsten andorranischen Familien zu einem Consell de la Terra zusammen, das einem Parlament nahe kam. Ende des 16. Jahrhundert gingen die französischen Rechte zunächst auf die Könige von Navarra über und dann im Jahre 1607 auf die französischen Könige. Nach der Revolution 1789 verzichtete Frankreich auf seine Rechte, die jedoch im Jahre 1806 durch Napoleon wiederhergestellt wurden und heute durch den französischen Präsidenten wahrgenommen werden.
 
Die erste Verfassung in Andorra geht auf das Jahr 1866 zurück, die allerdings der Bevölkerung wenig Rechte zusprach. Erst unter dem russischen Abenteurer Boris Skossyrew, der sich im Jahre 1934 zum König wählen ließ, bekamen die andorranischen Männer ein Stimmrecht (das Frauen erst in den 70-er Jahren erhielten). Die Herrschaft Boris I. war aber von kurzer Dauer. Nur nach zwei Wochen der Regierung schickte ihn der Bischof von Urgell ins Exil und stellte somit die alte Machtstruktur wieder her. Zu Beginn der 80-er Jahre führte Andorra eine grundlegende Reform des politischen Systems durch, das die Schaffung einer Legislative und Exekutive vorsah. Jedoch schrieb erst die Verfassung vom 14. März 1993 eine klare Gewaltenteilung fest. Außerdem wurde nach dieser Verfassung die Stellung der beiden Co-Fürsten auf rein repräsentative Funktionen beschränkt.