Architektur der Neuzeit

Die Architektur der Renaissance weist eine Rückkehr zu den Bauprinzipien der klassischen Antike auf. Sie ist durch eine klare Trennung zwischen Architektur, Malerei und Bildhauerei charakterisiert. Obwohl zu dieser Zeit einzelne Künstler auf vielen Gebieten tätig waren, erhielten sie in der Regel nur in einem bestimmten Kunstbereich einen Auftrag. So hat zum Beispiel Michelangelo als Architekt die Pläne für die Basilika di San Lorenzo in Florenz ausgearbeitet, als Maler die Fresken der Sixtinische Kapelle angefertigt, als Bildhauer schuf er den David für den Signoria-Platz in Florenz.

Der Geburtsort der Renaissance ist Florenz. Hier errichtete Filippo Brunelleschi in den Jahren 1420-1436 die Kuppel des Doms Santa Maria del Fiore, die als erstes Bauwerk dieses Stils gilt. Klare Formen und ausgewogene Proportionen fanden schnell zahlreiche Anhänger. Im 15. und 16. Jahrhundert setzte sich die Renaissance in fast ganz Europa durch. Zu den herausragenden Beispielen der Renaissance-Architektur zählen der Petersdom in Rom, die Uffizien in Florenz, das Rathaus in Augsburg und die berühmten Loire-Schlösser. Jedoch entwickelten sich die architektonischen Errungenschaften während der Spätrenaissance zu einem strengen Regelwerk, das die Entwicklung der Architektur eher bremste.

Das Barock war nicht zuletzt eine Gegenreaktion auf die Strenge der späten Renaissance. Nach Jahrzehnten antiker Ordnungen und einfacher geometrischer Formen stürzten sich jene Architekten auf stark ausladende und schwülstige Formen, wo das Schöne mit dem Geschmacklosen Seite an Seite stand. Charakteristisch für die Barock-Architektur ist vor allem die extreme Komplexität der Linien und Formen, sowohl am Außenschmuck, als auch in der Raumgestaltung. Vergeblich sucht man gerade Linien in der Barock-Architektur. Bewegte ineinandergreifende Formen sind typisch für diese Stilrichtung. Die einzelnen Elemente wurden axial aneinandergereiht und bildeten eine kompositorische Einheit, die sich über das einzelne Gebäude hinaus erstreckte. Das Gesamtkonzept der Gestaltung erfasste somit nicht selten ganze Straßenzüge und Plätze. Zu den Meisterwerken der barocken Architektur zählen die Dresdner Frauenkirche und der Zwinger in Deutschland, das Palais du Luxembourg, der Invalidendom und das Schloss von Versailles in Frankreich, der Palast von Aranjuez in Spanien, die Saint Paul's Cathedral in London, der Peterhof in Russland

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kehrte man mit dem Klassizismus zu den strengen Regeln in der architektonischen Gestaltung zurück:

  • alle Proportionen werden genau nach mathematischen Formeln ausgerechnet,
  • dominierend sind gerade Linien,
  • pro Stockwerk wird nur ein einzelnes Architektursystem verwendet,
  • man geht nur sehr sparsam mit Außenschmuck um.

Die neue Architektur (Brandenburger Tor in Berlin, Triumphbogen in Paris, Bolschoi-Theater in Moskau) bemühte sich um mehr Klarheit, Monumentalität und Harmonie. Außerdem entdeckte sie die Architektur der griechischen Antike wieder. Dies eröffnete seinerseits die Epoche des Historismus, die Bezug auf die Stile der Vergangenheit unter Verwendung moderner Bautechniken und Raumgestaltung nahm. In den meisten Fällen haben die Architekten einen einzigen Stil für ihre Bauwerke verwendet. In diesem Fall spricht man je nach stilistischen Merkmalen von:

  • Neuklassizismus (Palais de Chaillot in Paris)
  • Neubyzantinischer Stil (Sacré-Coeur in Paris)
  • Neumaurischer Stil (Woronzow-Palast in Alupka)
  • Neuromanik (Saint-Pierre-le-Jeune in Strassburg)
  • Neugotik (Westminster-Palast in London, Neues Rathaus in München)
  • Neurenaissance (Reichstagsgebäude in Berlin, Staatsoper in Wien)
  • Neubarock (Opéra Garnier in Paris, Burgtheater in Wien)

In der Spätphase des Historismus wurden bei einem Gebäude gleichzeitig mehrere Stile verwendet (Eklektizismus), da die Architekten nicht mehr an eine bestimmte Order gebunden waren. Viele Bauwerke dieses sogenannten Eklektizismus waren oft mit unpassenden architektonischen Details überladen und eine harmonische Gestaltung (z.B. das alte Gebäude der Lomonossow-Universität in Moskau) ist eher selten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlor der Eklektizismus an Bedeutung und wurde durch den eleganten Jugendstil ersetzt. Der Jugendstil verbreitete sich schnell in fast allen europäischen Ländern. Er zeichnete sich überwiegend durch eine florale Dekoration der Gebräude und weiche Formen der einzelnen Elemente aus.

Im 20. Jahrhundert spielten neue Bauverfahren und neue Materialien (Eisen, Glas, Beton) eine immer wichtigere Rolle in der Architektur der Moderne. Der Tour Eiffel und das Centre G. Pompidou in Paris, die Londoner City Hall u.a. zeigen diese Entwicklung auf. Die Moderne Architektur ist jedoch kein homogener Stil. Innerhalb der Moderne existierten zahlreiche architektonische Strömungen:

  • Bauhaus
  • Brutalismus
  • Funktionalismus
  • Internationaler Stil
  • Konstruktivismus
  • Strukturalismus

Für die neueste Entwicklung in der Architektur ist eine große künstlerische Freiheit charakteristisch. Einzelne Projekte der Postmoderne (Neue Staatsgalerie in Stuttgart, Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main, Brücke Bac de Roda in Barcelona, Londoner City Hall) spielen dabei eine eigenständige Rolle, ohne dringende Verbindung mit der Funktion oder der Fixierung auf einen bestimmten Stil.

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