Belgien: Kultur

In Belgien existiert keine einheitliche Landeskultur. Das kulturelle Leben spielt sich in den unterschiedlichen Sprachräumen ab. Bemerkenswert ist, dass es in Belgien keine landesweiten Fernsehsender, Zeitungen oder anderen Massenmedien gibt. Selbst die Hochschulen (mit Ausnahme der Königlichen Militärschule) bieten keine zweisprachige Ausbildung an. Des Weiteren fehlen zweisprachige wissenschaftliche oder kulturelle Einrichtungen.

Vor der Entstehung Belgiens als unabhängiger Staat, entwickelte sich die belgische Kultur auf der Basis des Flämischen östlich der Schelde bzw. auf der Basis des wallonischen Dialektes der französischen Sprache westlich der Schelde. In der Literatur des späten Mittelalters ist besonders Jean Lemaire de Belges zu erwähnen. Ab 1830 wird Französisch zur Literatursprache und verdrängte den wallonischen Dialekt. Im Jahre 1867 erschien das weltberühmte Werk Till Eulenspiegel von Charles De Coster. Um die Jahrhundertwende entwickelte sich die Dichtung mit den französischsprachigen Autoren Maurice Maeterlinck und Emile Verhaeren, sowie den flämischen Schriftstellern Karel van de Woestijne und Guido Gezelle. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlangte der Schriftsteller Georges Simenon mit seiner Figur des Kommissars Maigret Weltruhm.

In der Malerei war seit dem Mittelalter Flandern das bedeutendste Zentrum der Künste. Die Flämische Primitive (Hans Memling, Rogier van der Weyden...) ist die erste berühmte Schule aus dieser Zeit. Nach der Trennung Flanderns von Holland entwickelte sich die flämische Schule, deren wichtigste Vertreter Peter Paul Rubens und Pieter Bruegel sind. Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts verliert die flämische Malerei an Bedeutung. Andere Strömungen, wie zum Beispiel Romantik, Expressionismus und Surrealismus treten in Erscheinung. Besonders berühmt ist der Surrealist René Magritte. Eine interessante Sparte der Malerei sind die belgischen Comics, die weltweit große Beachtung finden. Besonders populär sind:

  • Lucky Luke von Morris,
  • Tim und Struppi von Hergé,
  • Die Schlümpfe von Peyo,
  • Spirou und Fantasio von Franquin…

Belgien besitzt außerdem eine Vielzahl an architektonischen Meisterwerken, beginnend mit der Romanik bis zur modernen Architektur. Der wirtschaftliche Aufschwung während der Renaissance brachte einen regelrechten Bauboom mit sich und so schmücken noch heute prachtvolle Renaissance-Bauten die historischen Städte Belgiens: Antwerpen, Brügge, Gent, Brüssel, Mecheln. Ende des 19. Jahrhunderts verbreitete sich in Belgien der Jugendstil, dessen berühmtester Vertreter der Architekt Victor Horta war.

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