Bulgarien: Geschichte

Das Gebiet des heutigen Bulgariens wurde bereits in der vorgeschichtlichen Epoche besiedelt. Während der Frühgeschichte kamen thrakische Völker auf die Balkanhalbinsel, die intensive Beziehungen zu den griechischen Kolonien an der Schwarzmeerküste unterhielten. Durch die Ausdehnung des griechischen Reiches unter Alexander dem Großen fielen die Gebiete an das antike Griechenland. Im 1. Jahrhundert v.Chr. übernahmen die Römer die Herrschaft über das Territorium.
 
Nach dem Zerfall des Römischen Reiches fielen die Gebiete an Byzanz. Im 6. Jahrhundert kamen slawische Völker auf den Balkan, die jedoch im 7. Jahrhundert durch die von der Wolga kommenden türkstämmigen Protobulgaren unter Khan Asparuch unterworfen wurden. Die Versuche von Byzanz ihre Gebiete zurückzuerobern, misslangen und im Jahre 781 erkannte der byzantinische Kaiser die Gründung des Bulgarischen Reiches an. Im 9. Jahrhundert nahm der neugegründete Staat das Christentum an. Nach und nach vergrößerten die Bulgaren ihre Gebiete, die unter Simeon I. ihre größte Ausdehnung hatten und sogar Teile Griechenlands einschlossen. In dieser Zeit setzte sich das Bulgarische als Staats- und Kirchensprache durch. Unter den Nachfolgern Simeons entfachte sich ein Machtkampf, der das Land beachtlich schwächte und es Byzanz erlaubte das Territorium im Jahre 1018 wieder unter seine Herrschaft zu bringen.
 
Im Jahre 1186 beendete der Aufstand der Gebrüder Iwan und Peter Assen die byzantinische Herrschaft und führte zur Gründung des Zweiten Bulgarischen Reiches, das bis 1396 Bestand hatte. Ende des 14. Jahrhunderts eroberte das Osmanische Imperium Bulgarien, deren Herrschaft fast 5 Jahrhunderte andauerte. Jedoch leisteten die Bulgaren ständig Widerstand und behielten ihre Sprache und Kultur bei.
 
Ende des 18. Jahrhunderts verstärkten sich die Befreiungsbewegungen, die ihren Höhepunkt im Aprilaufstand 1876 fanden, der allerdings blutig niedergeschlagen wurde. Erst nach dem Sieg Russlands im Krieg gegen die Türkei konnte Bulgarien seine Unabhängigkeit im Jahre 1877 wieder erlangen. Nach den Beschlüssen des Berliner Kongresses wurde Bulgarien zersplittert und ein Teil geriet in türkische Abgängigkeit. Im Jahre 1908 befreite sich Bulgarien entgültig und erklärte seine Unabhängigkeit. Der bulgarische Fürst Ferdinand von Sachsen-Coburg und Gotha ernannte sich zum Zaren Ferdinand I.
1912 vereinigten sich Bulgarien, Serbien, Montenegro und Griechenland im Krieg gegen die Türkei und befreiten Makedonien. Die Uneinigkeit der Verbündeten über die Gebietsaufteilung führte zum 2. Balkankrieg, den Bulgarien verlor und Teile seiner Gebiete abtreten musste.
 
Die Teilnahme Bulgariens als Verbündeter Deutschlands im 1. Weltkrieg hatte schwerwiegende Folgen für das Land. Bulgarien verlor einige Gebiete im Süden mit Zugang zum Ägäischen Meer und erlitt große finanzielle Verluste.
 
Im 2. Weltkrieg verbündete sich Bulgarien mit Deutschland und erweiterte das Staatsgebiet im Nordosten, Westen und im Süden. Im Jahre 1941 erklärte Bulgarien Großbritannien, den USA, Griechenland und Jugoslawien den Krieg, nahm jedoch am Krieg gegen die UdSSR nicht teil. Nach der Niederlage Deutschlands an der Ostfront wurde Bulgarien von der UdSSR besetzt und in der Folge erklärte Bulgarien Deutschland den Krieg. Innenpolitisch gewannen die Kommunisten dank der Unterstützung der Sowjetunion mehr an Einfluss und entschieden die Wahlen im Jahre 1946 für sich. Die Monarchie wurde abgeschafft und Bulgarien zur sozialistischen Volksrepublik erklärt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion verfolgte Bulgarien eine Demokratisierung der Gesellschaft und eine Umstrukturierung der Wirtschaft. Seit dem 1. Mai 2004 ist Bulgarien ein vollwertiges Mitglied der Europäischen Union.