Dänemark: Kultur

Die Kultur Dänemarks hat ihren Ursprung in den Volkstraditionen aus der Wikingerzeit. In der Literatur gab es zuerst die Helden- und Natursagen, die Geschichten historischer Persönlichkeiten mit fantasievollen Fabelwesen zu einem einzigartigen Stoff kombinierten. Durch die Völkerwanderung gelangten sie im frühen Mittelalter auch nach Nordeuropa, wie z.B. in dem ältesten englischsprachigen Werk Beowulf deutlich wird. Die ersten schriftlichen Werke, abgesehen von zahlreichen Runen, erschienen in lateinischer Sprache und handelten von Religion oder Geschichte (Gesta Danorum von Saxo Grammaticus aus dem 12. Jh.). Erst während der Reformation hielt die dänische Sprache Einzug in die Literatur. Christiern Pedersen machte sich diesbezüglich sehr verdient, in dem er die Bibel auf Dänisch übersetzte. Das Theater entwickelte sich am Übergang vom 17. zum 18. Jahrhundert. Ludvig Holberg ließ sich durch die italienische Commedia dell'arte und Molière inspirieren und schuf die ersten dänischen Bühnenstücke. Der Tragödiendichter Johannes Ewald, der als Nachfolger Holbergs gilt, schrieb nicht nur Dramen, sondern auch Gedichte und Lieder. Sein Lied König Christian stand am hohen Mast ist heute die Hymne des dänischen Königshauses. Im 19. Jahrhundert herrschte in der dänischen Literatur der Romantismus vor. Adam Oehlenschläger, Nikolai Frederik Severin Grundtvig und Bernhard Ingemann wenden sich in ihren Werken der nationalen Geschichte zu. Zu dieser Zeit wirkte auch der Schriftsteller Hans Christian Andersen, der mit seinen Märchen Weltruhm erlangte. Weitere bedeutende dänische Schriftsteller sind Jens Peter Jacobsen, Karl Gjellerup, Henrik Pontoppidan, Johannes Vilhelm Jensen, Karen Blixen, Herman Bang, Klaus Rifbjerg und Peter Høeg.
 
Die dänische Schule in der Musik formierte sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wirkten die Komponisten Christoph Ernst Friedrich Weyse und Friedrich Kuhlau. Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts drang die Romantik als neue Strömung nach Dänemark. Die wichtigsten Vertreter waren Niels Wilhelm Gade und Johann Peter Emilius Hartmann. Am Anfang des 20. Jahrhunderts traten die Komponisten Carl Nielsen, Finn Høffding und Niels Viggo Bentzon in Erscheinung, die bis heute die dänische Musik beeinflussen. Mit der Schlagersängerin Gitte Hænning erreichte die dänische Pop-Musik einen hohen Bekanntheitsgrad.
 
In der Malerei dominierte zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Realismus in der Porträt-, Landschafts- und Genremalerei (Christoffer Wilhelm Eckersberg, Christen Købke u.a.). Um Peder Severin Krøyer formierte sich eine Gruppe junger Maler (Anna und Michael Ancher, Viggo Johansen...), die nach dem Vorbild der Barbizon-Schule die Freiluftmalerei in Dänemark einführten und später die Malweise der französischen Impressionisten übernahmen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbreitete sich die abstrakte Malerei (Asger Jorn, Richard Mortensen, Robert Jacobsen). Heute zeigt die dänische Malerei eine außergewöhnliche Vielfalt an unterschiedlichen Stilrichtungen, von der traditionellen Keramikmalerei bis zur Postmoderne.
 
Die frühzeitliche Architektur aus der Wikingerzeit ist leider nur selten bis heute erhalten geblieben. Dazu zählen die Reste der Befestigungsanlagen Aggersborg, Fyrkat, Nonnebakken und Trelleborg. Mit der Verbreitung des Christentums wurden zahlreiche Kirchen nach basilikalem Grundriss erbaut (Gl. Vor Frue Kirche in Roskilde). Während der Romanik im 12. / 13. Jahrhundert wurden überwiegend Sakralbauten in Form des lateinischen Kreuzes errichtet (Dom in Ribe und Viborg). Eine Ausnahme bildet die Frauenkirche in Kalundborg in Form eines griechischen Kreuzes mit achteckigen Türmen an jeder Ecke und einem viereckigen Turm in der Mitte des Kreuzes. Die gotische Periode dauerte in Dänemark vom 13. bis 16. Jahrhundert. Aus dieser Zeit stammen die Kathedralen in Roskilde und Odense, sowie mächtige Burgen (Spottrup u.a.). Während der Renaissance wurden prachtvolle Schlösser (Kronborg in Helsingør und Frederiksborg in Hillerød) erbaut, was sich auch im Zeitalter des Barocks fortsetzte (Amalienborg, Charlottenborg und Christiansborg). In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts setzte sich der Klassizismus durch. Die bedeutendsten Vertreter dieser Stilrichtung waren die Architekten Caspar Frederik Harsdorff und Christian Frederik Hansen. Im 19. Jahrhundert herrschte mit den Architekten Hack Kampmann, Theophil Edvard Freiherr von Hansen, Martin Nyrop und Michael Gottlieb Bindesbøll der Historismus vor. Die dänische Architektur entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einer der innovativsten in Europa. Die aus Dänemark stammenden Architekten erhielten Aufträge in der ganzen Welt. So zum Beispiel entwarf Jørn Utzon das Sydney Opera House in Australien, Johan Otto von Spreckelsen die Grande Arche in La Défense bei Paris und Arne Jacobsen wirkte vor allem in Deutschland.

Tags: