Deutschland: Geschichte

Das Gebiet des heutigen Deutschland wurde schon in der vorgeschichtlichen Periode besiedelt, wie 600000 Jahre alte Funde in Mauer bei Heidelberg belegen. Im 1. Jahrtausend v. Chr. verbreiteten sich germanische Stämme im Zuge der Völkerwanderung bis an die Grenze des Römischen Imperiums, das während der Antike Südwestdeutschland mit den Städten Köln, Trier, Bonn, Worms und Augsburg einschloss. Nach und nach verdrängten die Germanen die benachbarten Kelten und drangen in die römischen Gebiete ein. Im 4. Jahrhundert erlaubten die Römer auf ihrem Territorium den Franken die Gründung eines eigenen Reiches, aus dem im Mittelalter das Frankenreich entstand, das den größten Teil Westeuropas umfasste. Nach dem Vertrag von Verdun wurde dieses ausgedehnte Gebiet zwischen den Enkeln Karls des Großen aufgeteilt und aus dem Ostteil, der an Ludwig den Deutschen fiel, entwickelte sich das heutige Deutschland.
 
Nach vielen Teilungen und Erbstreitigkeiten entstanden schließlich die vier Herzogtümer Franken, Schwaben, Bayern und Sachsen, die ihre Herzöge zur Königswahl stellten. Otto I. aus dem Geschlecht der Liudolfinger setzte sich im Jahre 936 als Deutscher König durch und nach der Eroberung Norditaliens wurde er im Jahre 962 vom Papst zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt. Nach dem Aussterben der Ottonischen Herrscherdynastie übernahmen die Salier ab 1024 mit Konrad II. und ab 1138 mit Konrad III. das Staufer-Geschlecht die Macht. In dieser Zeit schritt die feudale Zersplitterung des Landes voran, was jedoch die wirtschaftliche Entwicklung und den Handel nicht bremste und zur raschen Entwicklung der Städte führte. Im 12. Jahrhundert vereinten sich mehrere norddeutsche Städte zur Hanse, die den Handel zwischen Deutschland, England, Holland, Skandinavien und Russland in ihren Händen hatte.
 
Im Jahre 1308 gelangte das Haus Limburg-Luxemburg mit Heinrich VII. an die Macht, das bis ins Jahr 1437 herrschte. Seit dieser Zeit und bis zum Ende der Monarchie bestimmten die Habsburger das Geschick des Landes. Während der Herrschaft der Habsburger setzte die Reformation in Deutschland ein, die dem Protestantismus nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) die gleichen Rechte wie dem Katholizismus einräumte. Dieser Krieg verwüstete große Teile des Landes und Gebietsabtretungen an Frankreich und die Schweiz waren die außenpolitischen Folgen. Innenpolitisch konnten die lokalen Fürsten ihre Position gegenüber König und Kurfürsten stärken. Dies hinderte jedoch die preußischen Kurfürsten nicht daran, ihre Macht auszubauen. Im Jahre 1701 ließ sich Kurfürst Friedrich III. zum König Friedrich I. von Preußen krönen. Seinen größten Einfluss erreichte Preußen unter Friedrich II. dem Großen, nachdem er Schlesien und einen Teil von Polen eroberte. Jedoch der gemeinsame preußisch-österreichische Versuch, die revolutionäre Bewegung aus Frankreich zu stoppen, scheiterte und unter dem Druck der napoleonischen Armee zerfiel das ganze Heilige Römische Reich. Unter dem Druck Napoleons entstanden aus ca. 300 lokalen Fürstentümern ca. 60 Staaten, die außer Österreich und Preußen zum Rheinbund zusammengefasst wurden. Nach der Niederlage Napoleons begünstigten die Entscheidungen des Wiener Kongresses eine weitere österreichisch-preußisch dominierte Staatenvereinigung, der Deutsche Bund, der aus 38 Staaten bestand.
Bald nach der bürgerlichen Revolution 1848 kam es zum Konflikt zwischen Preußen und Österreich um die Vormachtstellung im Bund, der im Jahre 1866 zum Krieg führte. Preußen gewann den Krieg und konnte mehrere norddeutsche Staaten einnehmen, was am 1. Juli 1867 in der Gründung des Norddeutschen Bundes mündete. Nach dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg erklärte sich Wilhelm I. am 18. Januar 1871 zum Kaiser des neuen Deutschen Kaiserreiches, dessen erster Reichskanzler Otto von Bismarck wurde.
 
Im Jahre 1914 wurde Deutschland in den 1. Weltkrieg einbezogen, der mit einer Niederlage Deutschlands endete und im Jahre 1919 zu Gründung der Weimarer Republik führte. Nach den Reichspräsidenten Friedrich Ebert und Paul von Hindenburg kam im Jahre 1933 Adolf Hitler an die Macht. Seine aggressive und expansive Politik mündete 1939 in den 2. Weltkrieg, der mit zahllosen Opfern und Zerstörungen einherging. Die gravierenden politischen und wirtschaftlichen Zielsetzungen der Siegermächte (USA, UdSSR, Großbritannien und Frankreich) führten zum Kalten Krieg und zur Aufteilung Deutschlands in die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik. Der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland wurde im Jahre 1949 Konrad Adenauer. Erst im Jahre 1990 kam es zur Wiedervereinigung Deutschlands. Obwohl diese Prozesse mit einigen Schwierigkeiten verbunden waren, eröffneten sie neue Perspektiven in der Entwicklung des Landes.