Deutschland: Kultur

Die Wurzeln der deutschen Kultur liegen im frühen Mittelalter. Jedoch sind mündlich überlieferte Werke nur selten erhalten geblieben. Neben zahlreichen Übersetzungen lateinischer Texte, ist das älteste Zeugnis der Literatur das Heldenepos Hildebrandslied aus dem 8. Jahrhundert. Gleichzeitig entstanden vielfältige religiöse Texte von einfachen Gebeten bis zur Bibelübersetzungen. Ein Bindeglied stellt der Heliand dar, der einen religiösen Text nach dem Muster eines Heldenliedes beinhaltet. Ihren Höhepunkt erreichte die mittelalterliche Epik mit dem Nibelungenlied. Die Lyrik entwickelte sich überwiegend dank der Minnesänger (Walther von der Vogelweide, Heinrich von Morungen...). Mit dem Rittertum verbreitete sich der höfische Roman in ganz Europa. Zu den bekanntesten deutschen Vertretern zählen Wolfram von Eschenbach, Hartmann von Aue und Gottfried von Straßburg. Im 15. Jahrhundert sprengte der Humanismus den engen Rahmen der höfischen und religiösen Literatur. Es entstanden volksnahe Werke von Sebastian Brant, Ulrich von Hutten und die Geschichten um Till Eulenspiegel. Die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg begünstigte die Verbreitung der Literatur in breiten Bevölkerungsschichten. Davon profitierten die Schriftsteller der Aufklärung (Lessing, Gellert, Gottsched u.a.) und der Klassik (Goethe, Schiller, Wieland und Herder). Jedoch war es die Romantik, die eine besonders tiefe Spur in der Literatur hinterließ. Novalis, Schlegel, E.T.A. Hoffmann, die Gebrüder Grimm und natürlich die frühen Werke von Heinrich Heine trugen zur Popularität dieser Stilrichtung bei. Das 20. Jahrhundert brachte eine Vielfalt an unterschiedlichen Richtungen und Talenten hervor: Gerhart Hauptmann, Hermann Hesse, Thomas Mann, Heinrich Böll, Günter Grass, Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht...
 
Die Musik war bis zum 14. Jahrhundert eng mit der Literatur verknüpft, als die Künstler lyrische Texte zusammen mit Musik in Form einfacher Lieder oder Balladen verfassten und oft selbst darbrachten. Ab dem 15. Jahrhundert kamen zunehmend rein instrumentale Kompositionen auf, die die früheren vokalen oder vokal-instrumentale Werke ablösten (Conrad Paumann u.a.). Im 16. Jahrhundert drang die italienische Konzertkultur nach Deutschland, wo Heinrich Schütz sie mit den deutschen musikalischen Traditionen verknüpfte. Er schuf die erste deutsche Oper (Daphne) und das erste deutsche Ballett (Orpheus und Euridice). Unter seinem Einfluss entwickelten sich neuartige Kompositionen, wie z.B. der Solo-Gesang (Heinrich Albert), Orchestersuiten (Johann Hermann Schein) und natürlich die Orgelmusik von Johann Pachelbel, Georg Böhm und Johann Kuhnau, die als unmittelbare Vorgänger der großen deutschen Komponisten Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel gelten. Diese Tradition führten Ludwig van Beethoven, Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms und Richard Wagner weiter.
 
Die deutsche Malerei diente zuerst der Verschönerung von Gebäuden (Kloster Reichenau) oder als Buchschmuck (Schulen von Köln, Trier, Reichenau...). Als eigenständige Kunstform entwickelte sich die Malerei während der Renaissance (Lucas Cranach der Ältere, Matthias Grünewald, Hans Holbein der Jüngere und Albrecht Dürer). Der Klassizismus (Übergang 18. / 19. Jahrhundert) brachte in Deutschland zahlreich Künstler hervor, wie z.B. Anton Raphael Mengs, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein und Asmus Carstens. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts trat die Romantik in Erscheinung und dominierte fortan die Kunstszene (Caspar David Friedrich, Philipp Otto Runge, Peter von Cornelius, Friedrich Johann Overbeck u.a.). Als Gegenreaktion auf die Romantik entwarfen die Maler der Biedermeierzeit überwiegend realistische Genre- oder Landschaftsbilder (Ludwig Richter, Carl Spitzweg, Adolph Menzel). Mit der wachsenden Popularität der Presse bekamen viele Künstler ein neues Forum, das auch Wilhelm Busch für die Verbreitung seiner satirischen Bildergeschichten nutzte. Am Ende des Jahrhunderts traten der Impressionismus (Max Liebermann, Max Slevogt, Lovis Corinth), der Symbolismus (Max Klinger, Franz von Stuck) und der Jugendstil (Otto Eckmann, Hans Christiansen) in Erscheinung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kristallisierte sich der Expressionismus als die wichtigste Stilrichtung heraus. Die Maler des Expressionismus (Paul Klee, Franz Marc, Otto Dix, August Macke) drückten in ihren Bildern ihr eigenes Empfinden und ihre Sichtweise auf die Dinge auf eine unverwechselbare Art aus. Die Subjektivität der Darstellung verstärkte sich noch mehr im Surrealismus (Max Ernst und Hans Arp). Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ist durch die Suche nach neuen Ausdrucksformen charakterisiert, z.B. Aktionskünstler (Joseph Beuys, Wolf Vostell), Neoexpressionisten (Georg Baselitz, Jörg Immendorff) und Kinetische Künstler (Rebecca Horn, Günter Haese).
 
Die ersten bedeutenden Denkmäler der Architektur auf dem Gebiet des heutigen Deutschland gehen auf die Antike zurück, als sein südwestlicher Teil an das Römische Imperium angeschlossen wurde. Dies sind zahlreiche Thermen (Niedereschach, Baden-Baden, Trier), Reste des Limes und einige Stadttore (Trier). Weitere Zeugnisse der Baukunst entstanden im Mittelalter während der „Karolingischen Renaissance“, die sich zum Teil auf byzantinische Vorbilder beziehen, wie z.B. die Pfalzkapelle in Aachen, Michaelskirche in Fulda oder die Torhalle des Klosters von Lorsch. Die karolingische Architektur fand ihre Weiterentwicklung in der Frühromanik der ottonischen Epoche (die Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode, St. Michael in Hildesheim und die Georgskirche in Reichenau-Oberzell). Die eigentliche Romanik dauerte in Deutschland bis zur ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Bedeutende Bauwerke dieser Epoche sind die Abtei Maria Laach, der Kaiser- und Mariendom in Speyer, der Mainzer Dom, der Dom St. Peter in Worms, der Limburger Dom... Die deutsche Gotik reichte vom 13. bis ins 15. Jahrhundert. Neben großartigen Kathedralen (Freiburg, Trier, Köln, Ulm) entstanden in dieser Zeit auch eindrucksvolle Rathäuser (Lübeck, Tangermünde, Münster), Burgen und Schlösser (die Albrechtsburg in Meißen). Dank guter Beziehungen zu Italien hielt die Renaissance früh Einzug in Deutschland. Als erstes Bauwerk dieses Stils gilt die Grabkapelle in der Augsburger Kirche St. Anna. Es folgten weitere sehenswerte Renaissance-Bauten, wie St. Michael in München, das Heidelberger Schloss, das Augsburger Rathaus u.a. Ab 1650 setzte sich der Barock als Stilrichtung durch und zahlreiche Bauwerke wie z.B. die St.-Michaelis-Kirche in Hamburg, das Kloster Frauenberg in Fulda, der Dresdner Zwinger, das Schloss Charlottenburg in Berlin und das Schloss Augustusburg in Brühl entstanden. Als Gegenbewegung zum Barock entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts der Klassizismus (das Brandenburger Tor in Berlin, das Wörlitzer Schloss und das Schloss Wilhelmshöhe in Kassel). Der darauffolgende Historismus orientierte sich an vorangegangenen Stile von der Antike bis zur Renaissance (das Schloss Neuschwanstein, die Semperoper in Dresden, der Reichstag in Berlin...). Die Moderne Architektur ist durch die Stilrichtungen Jugendstil (Hochzeitsturm in Darmstadt, Kunstgewerbeschule in Weimar), Bauhaus (Dessau, Weimar, Leipzig...), Postmoderne (das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt am Main, die Neue Staatsgalerie in Stuttgart), Dekonstruktivismus (Vitra Design Museum in Weil am Rhein, Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg) und andere.