Finnland: Kultur

Das kulturelle Leben auf dem Gebiet des heutigen Finnlands bestand während der Antike und dem Frühmittelalter überwiegend in Form von mündlichen Überlieferungen, die heute zum größten Teil verloren sind. Auch die Architektur aus dieser Zeit, die mit Holz umgesetzt wurde, ist nicht mehr erhalten. Die ältesten architektonischen Zeugnisse gehen auf das 13. Jahrhundert zurück, als die Schweden Finnland eroberten und mehrere Burgen (Turku, Häme) errichteten. Gleichzeitig verbreitete sich das Christentum und zahlreiche Kirchen wurden erbaut (Jomala, Lemland, Sund, Hammarland u.a.). Der bedeutendste Bau dieser Epoche war die erste Kathedrale in Finnland, der Dom von Turku. Im 14. und 15. Jahrhundert hielt die Gotik Einzug in Finnland. Charakteristisch für diese Epoche waren dreischiffige Kirchen mit einem Kreuz- oder Sterngewölbe und einer spärlichen Außendekoration. Vor allem in den ländlichen Gebieten wurden die Wände aus unbehauenem Stein errichtet und das Gewölbe aus Backstein (Hattula und Lohja). Im Gegensatz zu den Steinkirchen, die an die schwedische Kirchenbaukunst erinnern, behielt die finnische Holzarchitektur (Tornio, Petäjävesi) ihre Eigenständigkeit. Die Entwicklung der Architektur Ende des 18. / Anfang des 19. Jahrhunderts zeichnet sich durch den Einfluss des schwedischen und russischen Klassizismus aus. Besonders eindrucksvoll ist der Senatsplatz mit seinen umliegenden Bauwerken in Helsinki von dem deutschen Architekten Carl Ludwig Engel. Mitte des 19. Jahrhunderts herrschte der Historismus (Ritterhaus und Ateneum in Helsinki) in Finnland vor, der von der Bewegung der Nationalromantik (Dom von Tampere, Finnisches Nationalmuseum und Hauptbahnhof in Helsinki) abgelöst wurde. In Anlehnung an den finnischen mittelalterlichen Dekorationsstil strebten die Architekten dieser Stilrichtung (Eliel Saarinen, Herman Gesellius, Lars Sonck, Armas Lingren) eine nationale Architektur an. In den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts setzte sich der Neoklassizismus in Finnland (Parlamentsgebäude in Helsinki) durch, der in den Funktionalismus (Sanatorium in Paimio, Olympiastadion Helsinki, Kirche von Kannonkoski) überging. Nach dem 2. Weltkrieg standen der Wiederaufbau zerstörter Gebäude und die Unterbringung zahlreicher Flüchtlinge im Vordergrund. Schlichte Bauformen und geometrische Pläne bildeten einen Kontrast zur malerischen Umgebung in den Projekten der Architekten Otto-Iivari Meurman und Alvar Aalto. Die finnische Architektur der Postmoderne (Sibelius-Halle in Lahti, Gemeindehaus von Oulunsalo) zeichnet sich durch die Verwendung von neuen Bauformen in Verbindung mit traditionellen Materialien aus.
 
Die Malerei Finnlands entwickelte sich im Mittelalter und diente vor allem der Innendekoration der Kirchen (Hattula, Perniö, Taivassalo). Charakteristisch für diese Gemälde sind die leuchtenden Farben und die Verbundenheit mit den Volksornamenten. Zu Beginn der Neuzeit verstärkten sich barocke Tendenzen in der Kirchenmalerei (z.B. die Wandmalereien von Mikael Toppelius in der Haukipudas-Kirche) und in der Portraitmalerei (die Miniaturen von Elias Brenner und die Portraits von Isak Wacklin). Ende des 18. Jahrhunderts war die Geburt der Genremalerei, als deren wichtigster Vertreter Aleksander Lauréus gilt. Die finnische Malerei des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in engem Kontakt mit den wichtigsten europäischen Kunstschulen in Stockholm, Düsseldorf, Paris und Sankt Petersburg, jedoch auf der Basis eines wachsenden nationalen Selbstbewusstseins. Eine besondere Rolle spielte Robert Wilhelm Ekman, der die nationalen Themen in die Malerei einführte und bei der Gründung der Finnischen Gesellschaft für Kunst aktiv mitwirkte. Diese Gesellschaft organisierte die Grundausbildung der Maler und veranstaltete Ausstellungen finnischer Maler. Mit Werner Holmberg erblühte die Landschaftsmalerei, die die Maler Berndt Lindholm und Hjalmar Munsterhjelm fortführten. Die Gebrüder von Wright mit ihren romantischen Landschaften und idyllischen Dorfansichten orientierten sich am deutschen Biedermeierstil. Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts gelten als das Goldene Zeitalter der finnischen Malerei. Herausragende Maler dieser Periode waren Albert Edelfelt, Akseli Gallen-Kallela, Eero Järnefelt und Pekka Halonen, die sich dem Realismus zuwandten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeigt sich ein Wechselspiel der nationalen Traditionen mit den wichtigsten internationalen Stilrichtungen: Symbolismus (Magnus Enckell und Hugo Simberg), Impressionismus und Postimpressionismus (Victor Westerholm, Magnus Enckell, Alfred William Finch u.a.), Expressionismus (Tyko Sallinen, Imari Aalto, Vilho Lampi), Kubismus (Sulho Sipilä), Surrealismus (Esko Tirronen), Neoexpressionismus (Leena Luostarinen)...
 
Die finnische Literatur nahm ihre Anfänge mit zahlreichen mündlich überlieferten Texten unterschiedlichen Umfangs von kurzen Sprichwörtern bis zu ausgedehnten Mythen. Die ersten schriftlichen Zeugnisse auf finnischem Boden entstanden auf Schwedisch, das bis zum 19. Jahrhundert Amtssprache in Finnland war. Die Entstehung der finnischen Schriftsprache geht auf das 16. Jahrhundert zurück und ist eng mit der Reformation verbunden. Im Zuge dieser übersetzte der Bischof von Turku Mikael Agricola das neue Testament auf Finnisch, was als Geburt der literarischen finnischen Sprachen gelten kann. Bis zum 19. Jahrhundert wurden vorwiegend religiöse Stoffe verlegt. Erst nach dem Ende der schwedischen Herrschaft wandten sich die finnischen Intellektuellen ihrer eigenen Sprache zu. Ihr Bestreben galt zunächst dem Erhalt der bis dahin mündlich überlieferten Werke. Elias Lönnrot trug unterschiedliche Fragmente der Volksdichtung Kalevala zusammen und überarbeitete das finnische Nationalepos, das zu den bedeutendsten literarischen Werken Finnlands zählt. Ein weiteres bedeutendes Beispiel der epischen Literatur schuf Johan Ludvig Runeberg mit seinem Heldenepos Die Erzählungen des Fähnrich Stål, das angesichts seiner patriotischen Inhalte Grundlage der finnischen Nationalhymne wurde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erwachte das Interesse für den Realismus. Nach dem ersten Roman von Aleksis Kivi in Finnland wurde der Realismus zur dominierenden Stilrichtung, deren Vertreter auch Juhani Aho, Arvid Järnefelt und Minna Canths waren. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts traten verschiedene Stilrichtungen in Erscheinung:

  • Neoromantismus mit Eino Leino, Johannes Linnankoski und Larin-Kyösti,
  • Naturalismus mit Joel Lehtonen, Frans Eemil Sillanpää und Toivo Pekkanen,
  • Expressionismus mit Katri Vala, Yrjö Jylhä und Uuno Kailas.
  • Der bekannteste finnische Schriftsteller war wahrscheinlich Mika Waltari, der mit seinem historischen Roman Sinuhe der Ägypter Weltruhm erlangte.

 
Die finnische Musik hat ihre Wurzeln in den Volksmelodien des Mittelalters, die auf den Liedern der Kalevala-Saga basieren. Im 17. Jahrhundert kamen über Schweden Melodien aus Europa, die in Finnland die Bezeichnung Pelimanni-Musik bekamen und auch zum Tanz vorgetragen wurden. Die klassische Musik trat Ende des 18. Jahrhunderts mit den Kompositionen von Erik Tulindberg in Erscheinung. Eine bedeutende Rolle spielte der aus Deutschland stammende und an der Universität Helsinki lehrende Komponist Fredrik Pacius, der die finnische Nationalhymne und die erste finnische Oper komponierte. Die wichtigste Person in der finnischen klassischen Musik ist zweifelsohne Jean Sibelius, der am Übergang zwischen Spätromantik und Moderne stand. Weitere bekannte finnische Komponisten sind Kalevi Aho, Aulis Sallinen, Magnus Lindberg und Einojuhani Rautavaara.
 
Die Filmkunst Finnlands nahm ihre Anfänge zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der erste Spielfilm kam im Jahre 1907 heraus. Die Filmemacher entwickelten ihren eigenen Stil, der überwiegend künstlerische Ziele verfolgte und nicht unbedingt auf Kassenerfolge ausgerichtet war. Eine Ausnahme stellt der auch in Hollywood tätige Regisseur Renny Harlin (Nightmare 4, Stirb langsam 2, Tödliche Weihnachten) dar. Der berühmteste finnische Regisseur ist Aki Kaurismäki, der mit dem Film Leningrad Cowboys Go America international bekannt wurde und für seinen Film Der Mann ohne Vergangenheit zahlreiche Auszeichnungen erhielt.

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