Georgien: Geschichte

Im Süden Georgiens wurden Überreste der Gattung Homo gefunden, die 1,8 Millionen Jahre alt sind. Somit stellen sie die ältesten Funde außerhalb Afrikas dar. Zu dieser Zeit war die menschliche Präsenz in Georgien eher selten. Die wirkliche Besiedlung geschah jedoch mehr als 1 Mio. Jahre später. Im 4. Jahrtausend v.Chr. entstanden in den westlichen Gebieten Siedlungen, deren Bewohner schon Landwirtschaft betrieben und sesshaft waren. Mitte des 2. Jahrtausends v.Chr. erschien im Gebiet der Kolchischen Tiefebene eine Kultur, die durch die Herstellung von originellen Holzblockhäusern, landwirtschaftlichen Geräten aus Metall und Waffen gekennzeichnet war. Im 12. / 11. Jahrhundert v.Chr. entstanden erste Städte, die sich im 6. Jahrhundert v.Chr. zu einem Königreich Kolchis zusammenschlossen. Ende des Jahrhunderts fiel das Königreich unter persischen Einfluss. Zu dieser Zeit entstand im Osten des Landes das Iberische Königreich, das auf Grund seiner Nähe zu Persien dessen Macht deutlich mehr spürte.
 
Im Jahre 65 v.Chr. eroberte die römische Armee unter Pompeius die gesamte Region. Mit der römischen Kultur kam auch das Christentum in die Gebiete des heutigen Georgiens, das König Mirian III. von Iberien im Jahre 337 als offizielle Staatsreligion einsetzte. Bis zum 12. Jahrhundert stand das Territorium unter byzantinischer, persischer und arabischer Herrschaft. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts vereinte König Bagrat III. die umliegenden Gebiete zu einem Georgischen Königreich, das vom Schwarzen bis zum Kaspischen Meer reichte. Auf Grund der Expansion der Mongolen zerfiel das Reich im 15. Jahrhundert in mehrere Königreiche und Fürstentümer, die später unter persische oder türkische Herrschaft gerieten. Ende des 18. Jahrhunderts erweiterte Russland seinen Machtbereich und gliederte die Gebiete nach und nach seinem Reich an.
 
Nach dem Zusammenbruch des Russischen Imperiums erklärte Georgien am 26. Mai 1918 seine Unabhängigkeit, wurde jedoch bald von der Roten Armee besetzt. Am 25. Februar 1921 wurde die Georgische Sozialistische Sowjetrepublik ausgerufen. Seit 1922 war Georgien mit Armenien und Aserbaidschan ein Teil der Transkaukasischen Föderativen Sowjetrepublik, die 1936 aufgelöst wurde. Zwischen 1936 und 1991 stellte Georgien eine Republik innerhalb der Sowjetunion dar. Nach dem Zerfall der UdSSR erklärte Georgien am 9. April 1991 seine Unabhängigkeit. Der erste georgische Präsident Swiad Gamsachurdia versuchte eine autoritäre Politik auszuüben, wurde jedoch durch einen Militärputsch Ende des Jahres 1991 abgesetzt. Der neue Präsident Eduard Schewardnadse erhielt ein schweres Erbe, da zu den wirtschaftlichen Problemen auch die Überwindung der separatistischen Bestrebungen mehrerer Gebiete kam, die noch bis heute nicht gelöst sind.