Geschichte

Die menschliche Besiedlung Europas verlief in der vorgeschichtlichen Epoche von Afrika über Asien oder Indien. Die ältesten Spuren dieser Besiedlung auf europäischem Boden gehen auf die Zeit vor ca. 1,8 Mio. Jahren zurück. Zu dieser Zeit war die menschliche Präsenz in Europa eher selten. Die wirkliche Besiedlung geschah jedoch mehr als 1 Mio. Jahre später, deren Spuren an zahlreichen Orten entdeckt wurden: bei Atapuerca in Spanien (vor 900000 – 780000 Jahren), in Mauer bei Heidelberg in Deutschland (vor 600000 Jahren), in Boxgrove in England (vor 500000 Jahren), in der Höhle Caune de l'Arago in Frankreich (vor 450000 Jahren), in Petralona in Griechenland (vor 200000 Jahren) u.a. Obwohl die ersten Bewohner dieser Gebiete zur gleichen Gattung wie wir gehörten, zählen sie zu unterschiedlichen Arten.
 
Der Homo sapiens oder der moderne Mensch trat erst vor ca. 35000 Jahren in Europa auf. Zuerst lebten die Menschen in kleinen Sippen und ernährten sich hauptsächlich von der Jagd, da auf Grund der kalten winterlichen Temperaturen Pflanzen nicht als ständige Lebensgrundlage dienen konnten. Wenn die Tiere die Siedlungsgebiete nach einiger Zeit verließen, zogen auch die Menschen weiter. Erst die Einführung von Ackerbau und Viehzucht im 5. - 4. Jahrtausend v.Chr. ermöglichte eine dauerhafte Sesshaftigkeit, die mit der Zeit zur Entstehung der ersten Zivilisationen führte.
 
Die ersten bedeutenden frühgeschichtlichen Hochkulturen in Europa entstanden in der Bronzezeit im Mittelmeerraum – Minoische, Mykenische und Kykladenkultur, die in ihrer Blütezeit enge Beziehungen sowohl untereinander, als auch zum griechischen Festland unterhielten und den Übergang zur Antike vorbereiteten.
 
Nach dem Zusammenbruch dieser Zivilisationen entstand auf dem Gebiet des heutigen Griechenlands eine neue Kultur, die im Vergleich zu den benachbarten Kelten, Skythen, Thraker u.a. nicht nur über eine Schrift verfügte, sondern auch eine bemerkenswerte Literatur, Architektur und Wissenschaft schuf. Seit dem 6. Jahrhundert v.Chr. übernahm Rom nach und nach die vorherrschende Stellung in Europa, die nominell bis zum 5. Jahrhundert dauerte.
 
Im Mittelalter verbreitete sich die christliche Kultur in ganz Europa. Geteilt in römisch-katholische (Nord-Westen) und griechisch-orthodoxe Kirchen (Süd-Osten), hatte das Christentum sowohl gegen frühere Naturreligionen, als auch gegen die Einflüsse von Seiten der asiatischen (Tataren-Mongolen in Russland, Türken auf dem Balkan…) und nordafrikanischen (Spanien, Malta…) Invasoren Bestand. Die Kirche selbst erfüllte damals nicht nur Aufgaben auf dem Gebiet des Glaubens und der Seelsorge, sondern entwickelte sich zu einem bedeutenden sozialen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Instrument. In der Zeit der Entstehung und dem Zerfall von Staaten verbunden mit erbitterten Machtkämpfen oder fragilen Bündnissen zwischen den einzelnen Herrschern fiel der Kirche eine stabilisierende Rolle zu. Auch als sich die Nationalstaaten auf europäischem Gebiet herauskristallisierten, sicherte die Kirche sich durch Bündnisse mit der Monarchie eine Vormachtstellung in der Gesellschaft.
 
Erst in der Neuzeit verliert sie ihre Dominanz auf ideologischem Gebiet. Mit der Veröffentlichung antiker Schriften während der Renaissance, die bisher in Klöstern aufbewahrt wurden, kamen neue Ideen in die Gesellschaft, was zu grundlegenden Veränderungen in Wissenschaft, Kultur und Politik führte. Die gestärkten Monarchien gewannen weiter an Macht und es entwickelte sich der Absolutismus. Obwohl diese Regierungsform im 18. Jahrhundert mit der Französischen Revolution tief erschüttert wurde, haben noch heute einige europäische Länder Königshäuser, die allerdings überwiegend repräsentative Aufgaben erfüllen. Dem Beispiel der Französischen Revolution folgten im 19. Jahrhundert auch andere Länder und übertrugen die politische Verantwortung an gewählte Repräsentanten. Russland war eines der letzten Länder in Europa, in dem eine bürgerliche Revolution stattfand, die jedoch rasch in eine kommunistische Revolution mündete. Diese Ideologie verbreitete sich vor allem nach dem 2. Weltkrieg im Osten und spaltete Europa in zwei Lager. Grobe Fehler in der Organisation der Wirtschaft und das ideologische Diktat der Kommunistischen Partei führten zur Aufgabe des Sozialismus als Staatsform und eröffneten den Weg für ein gemeinsames Europa.

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