Griechenland: Kultur

Griechenland gilt als die Wiege der europäischen Kultur. Auf dem Gebiet des heutigen Griechenlands entstanden die ersten bedeutenden Hochkulturen: Minoische, Mykenische und Kykladenkultur. Bereits zu dieser Zeit der Archaischen Periode errichteten die Griechen eindrucksvolle Meisterwerke in der Architektur (der Palast von Knossos auf Kreta, das Löwentor der antiken Stadt Mykene), der Bildhauerei (Kykladenidole, archaische Statuen), der Malerei (zahlreiche Fresken und Mosaike auf Kreta und in Mykene) und dem Kunsthandwerk (Mykenische Keramik). In der Literatur gelten die Epen des Homer und Hesiod als älteste Zeugnisse der europäischen Literatur.
 
Die klassische Periode (5. bis 4. Jahrhundert v. Chr.) zeichnet sich durch die Ausbildung von Ordnungen (dorische, ionische und korinthische) in der Baukunst aus. Ein berühmtes Bauwerk dieser Zeit ist die Akropolis in Athen. In der bildenden Kunst wurde die statische durch eine bewegte Darstellung ersetzt (die Eroberung Trojas von Polygnotos). Die Literatur wurde durch Dramen bereichert, die noch heute gelesen werden (Sophokles, Euripides, Aischylos...).
 
Mit der Ausbreitung der griechischen Zivilisation während der hellenistischen Periode (4. bis 1. Jahrhundert v.Chr.) setzte sich die griechische Kultur mit den benachbarten Völkern, sowie mit vergangenen Epochen auseinander. Es entstanden große architektonische Komplexe, die die natürlichen Gegebenheiten gekonnt in das Gesamtbild integrierten, wie z.B. die Planung der antiken Stadt Pergamon zeigt. Die Künstler strebten in der Bildhauerei und Malerei nicht nur nach einer reinen Abbildung, sondern versuchten auch die Gefühlswelt ihres Modells ausdrucksstark darzustellen (Nike von Samothrake, Venus von Milo, Laokoon...). In der Literatur wurden die traditionellen Gattungen weiterentwickelt und der Roman als neues Genre geboren. Besonders berühmt waren die Schriftsteller Kallimachos, Apollonios von Rhodos, Menander, Theokritos u.a.
 
Nach der Eroberung durch die Römer wurde Griechenland als eine Provinz in das Imperium integriert. Die griechische Kultur wurde von den Römern jedoch sehr geschätzt, so dass mehrere griechische Kunstwerke heute als römische Kopien existieren. Die während des Krieges zerstörten Städte (Korinth) wurden wieder aufgebaut und neue Gebäude (Turm der Winde und Agora in Athen) oder komplette Städte (Nikopolis) errichtet. Im Großen und Ganzen zeichnete sich die römische Periode durch eine pragmatische Nutzung der kulturellen griechischen Errungenschaften und ihre flächendeckende Verbreitung.
 
Nach dem Zerfall des Römischen Imperiums wurde Griechenland in das Byzantinische Reich integriert und die griechische Kultur spielte eine wesentliche Rolle bei der Entstehung der byzantinischen Zivilisation. Die byzantinische Periode auf dem Gebiet des heutigen Griechenlands brachte bedeutende Neuerungen im Kirchenbau und die Ikonenmalerei hervor.
 
Im 15. Jahrhundert wurde Griechenland durch das Osmanische Reich besetzt. Der erste Abschnitt der osmanischen Periode war durch das Bestreben der Kirche geprägt, den christlichen Glauben in islamischer Umgebung zu behaupten. Die Kirche stand der Kultur der klassischen Antike mit ihren „heidnischen“ Ideen kritisch gegenüber. Erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts öffnete sich die Gesellschaft für neue Strömungen. Aus dieser Epoche stammte der bedeutende gereimte Roman Erotokritos von Vitsentzos Kornaros und die ersten Bilder von El Greco.
 
Die moderne griechische Kultur entstand im Zuge des Unabhängigkeitskrieges Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Befreiungsideen durchströmten alle Schichten der Bevölkerung und führten zur Erneuerung der Künste. In der Literatur traten talentierte Schriftsteller wie Andreas Kalvos, Yannis Makriyannis und Dionysios Solomos hervor. Die internationale Anerkennung der neugriechischen Literatur zeigte sich in der Verleihung des Nobelpreises an die zwei griechischen Dichter Giorgos Seferis und Odysseas Elytis. Die griechische Malerei wurde zuerst durch die deutsche (Nikolaus Gysis, Nikephoros Lytras) und später durch die französische Schule (Pericles Pantazis, Konstantinos Maleas) beeinflusst. Seit dieser Zeit versäumten die griechischen Künstler keine europäische Strömung und zählen heute zu den anerkanntesten Kunstschaffenden.