Großbritannien: Geschichte

Die Gebiete des heutigen Großbritanniens wurden im 1. Jahrtausend v.Chr. durch die Kelten besiedelt. Mitte des 1. Jahrhunderts schlossen die Römer den größten Teil der Britischen Inseln an ihr Imperium an. Nach dem Zerfall des Römischen Imperiums drangen die Angelsachsen in diese Gebiete und vertrieben die Kelten, die in den Westen Britanniens und nach Frankreich flohen. Es wurden sieben Königreiche gebildet, die im 9. Jahrhundert unter der Oberhoheit des Königs Egbert von Wessex vereinigt wurden.
 
Die Macht der Angelsachsen war durch mehrere Wikingerangriffe bedroht, denen es in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts gelang, ganz England zu unterwerfen. Im Jahre 1066 wurde ihre Herrschaft durch den Normannischen Herzog Wilhelm der Eroberer beendet, der sich in Westminster zum König Wilhelm I. krönen ließ. Er ersetzte die Oberschicht und den Klerus durch eigene Leute, was zur kulturellen Abspaltung des französischsprachig geprägten Hofes vom restlichen Land führte. Da Wilhelm I. auch französische Gebiete unter seiner Herrschaft hatte, entfachten sich Konflikte mit Frankreichs Krone, die mehrere Jahrhunderte andauerten. Der Grund dieses Konfliktes bestand darin, dass Wilhelm I. einerseits als Herzog der Normandie Vasall des französischen Königs war und ihm folglich unterstand, andererseits aber als König von England diesem gleichgestellt war. Auch die Nachfolger Wilhelm des Eroberers führten seine festländische Eroberungspolitik fort, die unter Heinrich II. die größte Gebietsausdehnung aufwies. Er herrschte über England, ein Drittel von Frankreich und nach der Eroberung von Irland im Jahre 1171 auch über diese Insel. Die ständigen Auseinandersetzungen in den folgenden Jahrzehnten entkräfteten die englische Krone, was zum Verlust fast aller französischen Gebiete führte und die königliche Macht im Land schwächte. Der Adel gewann mehr an Einfluss, der in der Magna Charta von 1215 festgeschrieben wurde und die Grundlage des englischen Verfassungsrechts darstellt. Im Jahre 1283 erlangte die englische Krone die Kontrolle über Wales.
 
Die Erbansprüche Eduards III. auf die französische Krone stürzten das Land in den Hundertjährigen Krieg (1337 - 1453), der mit einer Niederlage für England endete. Kurz darauf entfachten sich Thronkämpfe zwischen den beiden mächtigen Dynastien Lancaster und York. Da die beiden Familien eine Rose in ihren Wappen hatten (eine rote Rose bei Lancaster und eine weiße Rose bei York) wurde dieser Krieg als Rosenkrieg bezeichnet, der im Jahre 1485 durch die Krönung Heinrichs VII. dem Erben des Hauses Lancaster endete. Heinrich VII., der Gründer der neuen Herrscherdynastie Tudor, verzichtete auf festländische Eroberungen und festigte die königliche Macht im Land. Sein Nachfolger Heinrich VIII. brach mit der Römisch-katholischen Kirche und erklärte sich zum Oberhaupt der Anglikanischen (Protestantischen) Kirche. Im Jahre 1536 wurde Wales ein Teil des Englischen Königreichs. Im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts nach dem Sieg über die spanische Armada stieg England unter Elisabeth I. zur europäischen Seemacht auf und erweiterte ihre Territorien in Übersee (Nordamerika und Ostindien). Elisabeth I. hatte keine Erben und übertrug den Thron dem König von Schottland Jakob I. aus der Dynastie Stuart. Während der Regierung dieser Dynastie verschärften sich die Machtkämpfe zwischen der Krone und dem Parlament, die mit der Ausrufung des Commonwealths durch Cromwell und der Hinrichtung Königs Karl I. im Jahre 1649 für das Parlament entschieden wurden. Nach der diktatorischen Regierung Cromwells wurde die Monarchie im Jahre 1660 wiederhergestellt. Auf diese Zeit geht auch die Geburt der ersten Parteien (Tories und Whigs) in England zurück. Die Entstehung des Königreichs Großbritannien erfolgte 1707 durch die Vereinigung der Königreiche Schottland und England. Im Jahre 1714 wurde Kurfürst von Hannover als König Georg I. eingesetzt.
 
Nach einer langen Friedenszeit folgten mehrere Jahrzehnte kriegerischer Augeindersetzungen mit Frankreich (Österreichischer Erbfolgekrieg, See- und Kolonialkrieg, Siebenjähriger Krieg...), die Großbritannien als Sieger hervorgehen ließen. Nach dem Unabhängigkeitskrieg in Nord-Amerika verlor Großbritannien jedoch seine wichtigsten Kolonien, aus denen die USA entstanden. Im Jahre 1801 vereinigten sich die Königreiche Großbritannien und Irland zum Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland. In der Außenpolitik verfolgte Großbritannien konsequent den Widerstand gegen das napoleonische Frankreich. Die entscheidenden Sieg bei Trafalgar 1805 und bei Waterloo 1815 sicherten Großbritannien politisches Gewicht, brachten aber keine territorialen Erweiterungen in Europa mit sich.
 
Nach der ersten schwierigen Phase der Industriellen Revolution, entwickelte sich Großbritannien zu einem der wichtigsten Industrieländer Europas, vor allem während der Regierung Königin Viktorias. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlor Großbritannien seine Vormachtstellung zugunsten der USA. In der Außenpolitik setzte man auf ein Bündnis mit Frankreich und Russland, um einen Gegenpol zur rasanten Entwicklung Deutschlands zu bilden. Die Taktik erwies sich als erfolgreich, da nach dem 1. Weltkrieg Großbritannien den größten Teil der deutschen Kolonien in Afrika erhielt.
 
Im Jahre 1922 spalteten sich 6 irische Provinzen ab und gründeten einen eigenständigen Staat Irland. In Folge dieser Veränderungen wechselte Großbritannien seinen offiziellen Namen auf Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland. Auf der europäischen politischen Bühne versuchte Großbritannien zuerst mit allen Mitteln den 2. Weltkrieg zu vermeiden, erklärte jedoch am 3. September 1939 nach der deutschen Besetzung Polens Deutschland den Krieg. Neben USA und Russland war Großbritannien eines der führenden Länder gegen das faschistische Deutschland. Nach dem 2. Weltkrieg beteiligte sich Großbritannien an der internationalen Zusammenarbeit. Es ist ein Gründungsmitglied der UNO, des Europarats und anderer europäischer Organisationen.