Großbritannien: Kultur

Die Besonderheit der Kultur des Vereinten Königreiches begründet sich mit der Besiedelung des Landes durch unterschiedliche Völker: Kelten, Römer, Angelsachsen, Wikinger, Franzosen... Der Einfluss der britischen Kolonien auf die kulturelle Entwicklung des Landes ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Außer der allgemeinen englischsprachigen Kultur verfügt Großbritannien noch über reichhaltige Regionalkulturen in Cornwall, Wales, England, Schottland und Nordirland.
 
Die ältesten und gleichzeitig die eindrucksvollsten Spuren künstlerischer Meisterwerke gehen auf die Jungsteinzeit zurück. Es handelt sich um die ersten Zeugnisse der Architektur, die Megalith-Monumente in Stonehenge und Avebury. Die keltische Besiedelung brachte das schmuckvolle Kunsthandwerk mit sich und bereicherte die Literatur durch mündlich überlieferte Erzählungen und Dichtungen, die erst im Mittelalter aufgeschrieben wurden (Mabinogion, Ulster-Zyklus und Fenian-Zyklus). Die römische Präsenz in England war weniger tiefgreifend als in Frankreich oder Spanien und hinterließ überwiegend Skulpturen (Grabmonumente, Statuen...). Außerdem geht auf die Römer die Entstehung des englischen Theaters zurück. Die Angelsachsen schufen Heldenepen (Beowulf), Chroniken und religiöse Dichtungen, z.B. der Dichter Cædmon. Mit der Eroberung Englands durch die Normannen gelangte auch die französische Kultur in das Land. Am englischen Hof hielten sich zahlreiche Dichter und Schriftsteller auf, was zur Entstehung der französischsprachigen Literatur führte (Marie de France, Thomas d'Angleterre...). Geoffrey Chaucer führte durch die Verwendung der Volksprache das Altenglische als Literatursprache ein, das im 16. Jahrhundert mit den Theaterstücken von William Shakespeare eine Blütezeit erreichte.
 
Nach der Dominanz des klassischen Theaters kam im 17. / 18. Jahrhundert Begeisterung für Prosa und Dichtung auf. Großer Beliebtheit erfreuten sich die gefühlsbetonten Werke von Richardson, mit denen viele Frauen in ganz Europa schlaflose Nächte verbrachten oder religiöse Dichtungen von John Milton. Die Abenteuerromane von Daniel Defoe (Robinson Crusoe) und Jonathan Swift (Gullivers Reisen) aus dieser Zeit werden auch heute noch gelesen. Diese Tradition führten im 19. Jahrhundert Walter Scott und Robert Louis Stevenson weiter. Parallel entwickelte sich das Genre des realistischen Romans mit Jane Austen, Charles Dickens und William Thackeray. Seit dieser Zeit weist der englische Roman eine außerordentliche Vielfältigkeit auf. Zu den berühmtesten Schriftstellern zählen: Arthur Conan Doyle und Agatha Christie, George Orwell und J. R. R. Tolkien, Rudyard Kipling, Lewis Carroll und Clive Staples Lewis, John Galsworthy und Graham Greene, Doris Lessing und Virginia Woolf... Im 21. Jahrhundert brach Joanne K. Rowling mit ihren Harry Potter Büchern alle Rekorde.
 
Auf den Gebieten der Malerei und Musik erreichte Großbritannien erst im 18. Jahrhundert ihre Eigenständigkeit. Die erste Schule der Malerei (Joshua Reynolds und George Stubbs) ist vor allem durch Landschaftsdarstellungen und Portraits gekennzeichnet. Dies zog sich bis ins frühe 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der Romantik mit John Constable und William Turner. Die Malergruppe der Präraffaeliten (John Everett Millais , William Holman Hunt, James Collinson) versuchte die modernen Ideen mit Stilmitteln der italienischen Renaissance umzusetzen. Sie eröffneten den Weg für zahlreiche Stile der Moderne: Symbolismus, Jugendstil, Arts and Crafts u.a.
 
Großbritannien wurde vor allem durch die unglaublichen Erfolge der Liverpooler Gruppe The Beatles zum Zentrum der Musik. The Rolling Stones, Led Zeppelin, Queen, Pink Floyd, The Who, The Police u.a. festigten diese Stellung und sind heute noch weltberühmt.
 
Das architektonische Erbe Großbritanniens geht überwiegend auf die Zeit nach der normannischen Eroberung zurück. In dieser rauen Zeit wurden mehrheitlich Burgen und Wehranlagen errichtet, wie z.B. der Tower of London oder das Eilean Donan Castle in Schottland. Mit der Verbreitung des Christentums entstanden zahlreiche Kirchen, Kathedralen und Klöster (Salisbury, Canterbury, Westminster Abbey...). Die Renaissance-Architektur ist vor allem mit prachtvollen Schlössern und Landsitzen vertreten (Hampton Court Palace, Oxburgh Hall u.a.). Die wirtschaftliche Entwicklung im 17. Jahrhundert führte zu einem vermehrten Bau von repräsentativen Gebäuden. Vor allem in der englischen Hauptstadt wurde in dieser Zeit viel gebaut (Saint Paul’s Cathedral, Monument to the Great Fire...), da nach dem Großbrand in London die Stadt fast vollständig zerstört wurde. In der Architektur des 19. Jahrhunderts herrschte der Historismus vor. Unter Verwendung neuer Bautechniken und Materialien wurde nach den Vorbildern der vorangegangenen Epochen gearbeitet: Fonthill Abbey im Neugotischen Stil, Mentmore Towers im Neorenaissance-Stil... Das 20. Jahrhundert ist von einer Stil- und Formenvielfalt geprägt. Das Lloyd's-Gebäude, der Millennium Dome, das Hochhaus 30 St. Mary Axe, die Londoner City Hall sind nur wenige Beispiele der großartigen architektonischen Meisterwerke.