Irland: Kultur

Die älteste Kunstform geht in Irland auf 2500 bis 2000 v.Chr. zurück. Es handelt sich um Megalithschnitzereien. Aus der Zeit der keltischen Einwanderung findet man zahlreiche mit komplexen linearen Mustern versehene Metallgegenstände. Ihren Höhepunkt erreichte die keltische Kunst in illustrierten Handschriften im 7. und 8. Jahrhundert. Die turbulente Epoche der Wikinger und Anglo-Normannen wurde von der Errichtung zahlreicher Burgen und Befestigungsanlagen begleitet (King John's Castle in Limerick, Waterford, Carrickfergus Castle...) Nach der Christianisierung Irlands wurden viele Klöster und Kirchen erbaut (Glendalough, Kells). Die romanische Architektur des 11. / 12. Jahrhunderts zeichnet sich durch einfach gebaute, jedoch reich dekorierte Kapellen und Kirchen aus (Cormac's Chapel, Clonfert Cathedral). Die darauffolgende Gotik war bis zum 14. Jahrhundert die bestimmende Stilrichtung in der Architektur (Christ Church, St. Patrick's Cathedral in Dublin). Die englische Kolonisierung bremste zum Teil die kulturelle Entwicklung Irlands. Im 17. bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden Privatpaläste und prachtvolle öffentliche Gebäude im Stile des Englischen Klassizismus errichtet, z.B. von den Architekten James Gandon und Thomas Cooley. Die Neugotik brachte u.a. die Kathedralen in Killarney und Letterkenny hervor. Im 20. Jahrhundert folgte die irische Architektur den internationalen Trends, vom Jugendstil bis zur Postmoderne (Michael Scott...).
 
Die irische Literatur existierte in Form von Sagen und Legenden lange vor der Christianisierung des Landes. Irische Mönche schrieben diese Sagen seit Ende des 11. Jahrhunderts nieder, die in vier Zyklen gegliedert waren:

  • Mythologischer Zyklus, der Überlieferungen der keltischen Mythologie aus vorchristlicher Zeit enthält;
  • Historischer Zyklus, der von den legendären Königen des Frühmittelalters handelt;
  • Ulster-Zyklus, der Heldensagen aus der irischen Provinz Ulster umfasst;
  • Fenian- Zyklus, der über die Heldentaten des legendären Fionn und seinen Anhängern berichtet.

Im Hochmittelalter verbreitete sich die Dichtung der Barden. Besonders berühmt waren die Dichter aus dem Geschlecht O’Daly (Muiredach, Donogh Mor u.a.). Diese Art der Literatur war eigentlich die einzige, die während der englischen Kolonisation noch existierte. Die Dichtung der Barden des 16. und 17. Jahrhunderts war von patriotischen Motiven durchdrungen (Tadhg Mac Daire, Lughaidh O’Clery). Während dieser Zeit bildete sich auch die irische Prosa aus. Besonders stilprägend war das Werk „Forus Feasa ar Éirinn“ über die Geschichte Irlands von Geoffrey Keating. Jedoch im 18. Jahrhundert stockte das literarische Schaffen und nur wenige Schriftsteller (Turlough O’Carolay und Michael Comyn) zeichneten sich durch bemerkenswerte Werke aus. Auf Grund der dramatischen Hungersnot in Irland wanderten auch viele Schriftsteller in die USA oder England aus, wie z.B. Jonathan Swift, Oliver Goldsmith und Richard Brinsley Sheridan. Eine Bereicherung für Irland war die engagierte Arbeit der Bewegung „Gälische Liga“, die die Literatur in irischer Sprache förderte. Ende des 19. Jahrhunderts blühte die irische Literatur mit Schriftstellern wie William Butler Yeats, Augusta Gregory, John Millington Synge und Sean O'Casey wieder auf. Viele in England lebende irische Autoren erlangten Weltruhm (George Bernard Shaw und Oscar Wilde). Nach der Unabhängigkeit Irlands traten viele interessante Schriftsteller (James Joyce, Frank O'Connor, Sean O'Faolain, Roddy Doyle) in Erscheinung. Samuel Beckett und Seamus Heaney wurden mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.
 
Die irische Schule der Malerei bildete sich erst nach dem 17. Jahrhundert. Die irische Maler dieser Zeit arbeiteten eng mit den englischen Künstlern zusammen. So waren George Barret und Nathaniel Hone der Ältere Mitbegründer der Königlichen Kunstakademie in London. James Barry, James Arthur O'Connor und Daniel Maclise waren ebenfalls bedeutende Maler dieser Periode. Im 19. Jahrhundert erlangte die irischen Impressionisten Nathaniel Hone der Jüngere, Walter Osborne und Roderic O'Conor europaweit Beachtung. Der Expressionismus in Irland ist durch Jack Butler Yeats vertreten. In neure Zeit erlangten die Künstlerinnen Mainie Jellett und Evie Hone, sowie Louis le Brocquy, Patrick Scott, Robert Ballagh, Tony O'Malley und Barrie Cooke.
 
Die irische Musik geht auf keltische Traditionen zurück. Die damals verwendeten Musikinstrumente Fidel und Harfe waren bestimmend für die musikalischen Kompositionen. In Irland war die Tradition der Barden weit verbreitet, die überwiegend zu Harfenklang meist patriotische Lieder sangen (Ruairi Dall O'Cathain, Turlough O’Carolan...). Teilweise wurden regelrechte Wettbewerbe unter den Harfenspielern veranstaltet, die erstmalig im Jahre 1792 auf dem Belfast Harp Festival zusammentrafen. Diese Zeit war der Höhepunkt der irischen Harfenmusik. Besonders berühmt war der Komponist und Harfenspieler David Murphy, der seine Konzerte in ganz Europa veranstaltete und sogar vor Ludwig XIV. auftrat. Im 19. Jahrhundert öffnete sich die irische Musik europäischen Einflüssen. Der Komponist und Pianist John Field schrieb erfolgreiche Klavierkonzerte und gilt als Erfinder des Nocturnes. Im Bereich der Oper zeichneten sich besonders Michael Kelly und Michael William Balfe aus. Die klassische Musik der Moderne ist durch Charles Villiers Stanford und Gerard Victory vertreten. Der Beitrag Irlands zur Pop-Musik des 20. Jahrhunderts ist vielfältig. Musiker wie U2, Sinéad O'Connor, Enya und Gilbert O'Sullivan erlangten Weltruhm.

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