Island: Kultur

Island wurde im 9. Jahrhundert von norwegischen Wikingern besiedelt, die auch ihre Kunst auf die Insel brachten. Jedoch bedingte die Abgelegenheit der Insel eine eigenständige kulturelle Entwicklung. Dies wird vor allem in der Literatur deutlich. Den Höhepunkt der isländischen Literatur des Mittelalters bilden die Sagas, die zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert niedergeschrieben wurden, sie gehen jedoch auf mündlich überlieferte ältere Werke zurück. Die Sagas sind Prosatexte, die über das Leben der Könige (Heimskringla, Knytlinga-Saga) oder Helden (Egils-Saga, Njalls-Saga) erzählen. Nicht selten thematisieren sie geschichtliche Ereignisse, wie z.B. die Islendinga-Saga von Sturla Thordarson. In derselben Zeit entstanden Eddas und Skaldendichtungen. Als Eddas werden zwei Bücher bezeichnet, wobei das ältere eine Liedersammlung, das jüngere ein Dichterlehrbuch von Snorri Sturluson ist. Die Skaldendichtungen wurden oft mit musikalischer Begleitung dargeboten. Skalden (Egill Skallagrímsson, Snorri Sturluson) hielten sich am Hofe auf und priesen die Tugenden ihrer jeweiligen Mäzene oder ließen sich satirisch über das Tagesgeschehen aus. Nach dem Verlust seiner Unabhängigkeit stockte in Island das literarische Schaffen. In dieser Zeit entstanden Bibelübersetzungen und religiöse Dichtungen von z.B. Eysteinn Asgrimsson oder Hallgrimur Petursson. Eine literarische Renaissance erlebte Island im 19. Jahrhundert. Die Romantik beflügelte Dichter wie Bjarni Thorarensen und Jonas Hallgrimsson. Dem Romantismus folgten Naturalismus und Realismus (Jon Thoroddsen, Gestur Palsson, Stephan G. Stephansson). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen neue europäische Strömungen wie Surrealismus und Expressionismus auch nach Island. Der bedeutendste Schriftsteller dieser Zeit war Halldór Laxness, der 1955 den Nobelpreis für Literatur erhielt.
 
Im Unterschied zur Literatur, die in Island weit zurückreichende Wurzeln hat, entwickelten sich andere Bereiche der Kunst erst in der Neuzeit. Zu den ersten isländischen professionellen Malern zählte Sigurdur Gudmundsson, der im Jahre 1863 das Isländische Nationalmuseum gründete. Thorarinn B. Thorlaksson erweckte mit seinen Ausstellungen Interesse an der Landschaftsmalerei. Im 20. Jahrhundert gewann die isländische Malerei mit Asgrimur Jonsson, Jon Steffansson und Johannes S. Kjarval zunehmend an Bedeutung.

Die Bildhauerei spielte in Island lange Zeit eine zweitrangige Rolle, zur Verzierung von Gebäuden. Der erste isländische Bildhauer war Einar Jonsson, der überwiegend Heldenstatuen entwarf. Der bekannteste Bildhauer Islands Asmundur Sveinsson führte moderne Stilrichtungen wie Kubismus und Expressionismus ein. Kreativ setzte er sich mit Motiven aus mittelalterlichen Heldenliedern auseinander.

Auf Grund der wenigen Baumaterialien auf Island wurden lange Zeit einfache Bauwerke errichtet, die kaum einen künstlerischen Wert aufwiesen. Erst die moderne Architektur brachte mit Gudjon Samuelsson beeindruckende Bauwerke wie die Hallgrimskirche, das Nationaltheater und die Universität hervor.

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