Kroatien: Kultur

Die Kultur Kroatiens gilt als eine der interessantesten der slawischen Völker, die im 6. / 7. Jahrhundert auf die Balkanhalbinsel kamen. Kroatien war das erste Land, das bereits im 9. Jahrhundert christianisiert wurde und die Erlaubnis erhielt, die Gottesdienste auf Altkirchenslawisch abzuhalten. Dies förderte die frühe Entwicklung der Schriftsprache und der Literatur. Das erste schriftliche Dokument auf Kroatisch ist die sogenannte Tafel von Baška, eine Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1100. Der größte Teil des literarischen Schaffens war religiöse Literatur. Außer Übersetzungen und Heiligenviten kamen den Gebeten eine besondere Bedeutung zu, die als erstes Beispiel geistlicher Dichtung gelten können. Die Literatur der Renaissance wurde überwiegend von Italien beeinflusst. Viele kroatische Dichter (Šiško Menčetić, Petar Zoranić) ließen sich von Petrarca inspirieren. Ebenfalls berühmt waren die Humanisten Marko Marulić und Petar Hektorović. Ein herausragender Schriftsteller dieser Epoche war der Komödiendichter Marin Držić, der einen wichtigen Beitrag zur Entstehung des kroatischen Nationaltheaters leistete. Im 17. Jahrhundert kam der Liebeslyrik mit den Gedichten von Fran Krsto Frankopan ein besonderer Status zu. Jedoch das Hauptthema zu dieser Zeit war der Ausdruck patriotischer Gefühle (Petar Zrinski, Nikolaus Zrinski, Paul Ritter Vitezović), die ab Ende des 18. Jahrhunderts die Literatur dominierten (Ljudevit Gaj, Dimitrija Demeter, Stanko Vraz, Ivan Mažuranić). In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren historische Elemente mit Volkslegenden gepaart (Matija Mažuranić), bis sich in den 80-er Jahren der Realismus durchsetzte (Eugen Kumičić, Silvije Strahimir Kranjčević). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden zahlreiche literarische Strömungen, die zwar nicht von langer Dauer waren, jedoch nachhaltig die Literatur beeinflussten, wie zum Beispiel der Expressionismus, Symbolismus oder Impressionismus (Vladimir Nazor, August Cesarec, Miroslav Krleža, Ivana Brlić-Mažuranić). Eine herausragende Stellung in der kroatischen Literatur nimmt der Nobelpreisträger Ivo Andrić ein.

Die Musik in Kroatien kann auf eine reiche Vergangenheit zurückblicken. Die ältesten musikalischen Zeugnisse gehen auf rituelle Lieder und Tanzmelodien der Slawen zurück, die im 7. Jahrhundert auf den Balkan kamen. Seit dem 10. Jahrhundert prosperierte die geistliche Musik, überwiegend in den Klöstern Dalmatiens, das von der osmanischen Eroberung verschont, für Jahrhunderte ein Zentrum des musikalischen Lebens Kroatiens blieb (Julije Skjavetić, Ivan Lukačić und Vinko Jelić). Im 18. Jahrhundert erreichte die kroatische Musik mit Luka Sorkočević und Ivan Mane Jarnović europaweite Bekanntheit. Ebenfalls aus Kroatien stammte der berühmte Komponist Joseph Haydn. Das 19. Jahrhundert schuf das Fundament für die professionelle klassische Musik. Einen besonderen Beitrag leisteten Vatroslav Lisinski und Ivan Zajc. Auch das folgende Jahrhundert setzte die musikalische Tradition des Landes u.a. mit Bruno Bjelinski, Dora Pejačević und Stjepan Šulek fort.

Die kroatische Malerei entstand im Mittelalter unter starkem Einfluss der byzantinischen Schule. Beispiele hierfür finden sich in der Kirche Hl. Maria in Zadar und in der Kathedrale zu Zagreb. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich die Tafelmalerei in Dalmatien unter dem Einfluss der italienischen Renaissance (Nikola Božidarević, Mihajlo Hamzić), in Zentralkroatien hingegen waren Einflüsse von Süddeutschland und den Niederlanden spürbar (Triptychon in der Kathedrale zu Zagreb). In Istrien entstand eine Besonderheit durch die Synthese von Renaissancetendenzen mit dem naiven Realismus (Kirche in Beram). Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts kam das Barock nach Kroatien mit prunkvollen Bildern von Federiko Benković und Ivan Ranger. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die nationale Schule der kroatischen Malerei. Dabei spielte der Maler Vjekoslav Karas eine wichtige Rolle, der vor allem Porträts und Bilder mit mythologischen Themen schuf. Die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts kam die historische Malerei mit nationalen Inhalten auf (Celestin Mato Medović). Die Anfänge der modernen Malerei in Kroatien prägten Miroslav Kraljević, Josip Račić und Tomislav Krizman. Weiter erfolgte eine produktive Phase, die durch Einflüsse des französischen Postimpressionismus gekennzeichnet war (Vlaho Bukovac, Duro Tiljak, Edo Murtić, Vladimir Becić).

Die Architektur Kroatiens konnte in ihrer Entwicklung auf antike Vorbilder zurückgreifen. Die ältesten zum Teil erhalten gebliebenen Bauwerke gehen auf die Antike zurück. Es sind überwiegend römische Städte an der Adriaküste mit Resten von Befestigungsanlagen, öffentlichen Bädern und Villen (Pula, Split, Solin und Stobreč). Die Architektur des Mittelalters ist vor allem durch Kirchenbauten geprägt, die gleichzeitig zentraleuropäische und byzantinische Einflüsse aufwiesen (Poreč, Rab, Zadar, Trogir und Split). Zu Beginn des 14. Jahrhunderts kam die gotische Baukunst in Kroatien auf, die ausgeprägte zentraleuropäische Bauformen (St.-Markus-Kirche in Zagreb) zeigte. In Dalmatien begrenzte man sich am Anfang auf das gotische Dekor, später erblühte am Übergang von der Gotik zur Renaissance die Baukunst in dieser Region (Dubrovnik und Šibenik). Ab der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts verringerte sich die Bautätigkeit auf Grund der osmanischen Eroberung und den ständigen österreichisch-türkischen Kriegen. Erst im 18. Jahrhundert wurde wieder vermehrt gebaut, überwiegend im Stil des Barock (Kirchen Hl. Maria in Dubrovnik und Hl. Katharina in Zagreb, Dreifaltigkeitskirche in Karlovac, Schloss Opeka). Der Anfang des 19. Jahrhunderts war durch einige Gebäude (Palast Domitrovic in Zagreb und Rathaus in Samobor von Bartol Felbinger) im Stil des Klassizismus gekennzeichnet, der jedoch keine weite Verbreitung bekam. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts verbreitete sich der Historismus, vor allem Neurenaissance und Neubarock (Kroatische Akademie der Wissenschaften und Künste und Nationaltheater in Zagreb). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts folgten Bauten im Jugendstil (ehem. Nationalbibliothek von Rudolf Lubinsky) und Neuklassizismus (Kroatische Nationalbank von Viktor Kovačić). Nach und nach setzte sich allerdings der Funktionalismus mit den Architekten Drago Ibler, Stjepan Gomboš, Stjepan Planić u.a. durch.

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