Kunst

Die Kunst in Europa hat eine lange Tradition. Die ersten Kunstwerke in Form von Höhlenmalereien stammen aus der Altsteinzeit. In der Jungsteinzeit verließen die Menschen ihre Höhlen und errichteten zeltähnliche Bauten in waldreichen Gebieten, die ausreichend Nahrung boten. Zeitgleich entwickelte sich die sogenannte Megalithkultur, die imposante Anlagen aus Stein hervor brachte. Außerdem erweiterten sich die Kunstpraktiken um die Keramikherstellung.
 
In der Bronzezeit (3./2. Jahrtausend v. Chr.) entstanden die ersten bedeutenden frühgeschichtlichen Hochkulturen auf den Inseln des MittelmeeresMinoische, Mykenische und Kykladenkultur, die eine veränderte Einstellung zur Kunst deutlich machen. Sie bekam einen höheren Stellenwert und erfüllte repräsentative Zwecke. Es entstanden imposante Bauwerke, dekorative Wandmalereien, bemerkenswerte Kleinplastiken aus Marmor, Gold- und Bronzearbeiten... Außerdem stammen aus dieser Zeit die ersten Schriftzeugnisse. Während der Eisenzeit (2./1. Jahrtausend v. Chr.) breiteten sich die Kunstpraktiken auf das griechische Festland aus. Die griechische Kultur der Antike führte zur Blütezeit zahlreicher Kunstformen wie Musik, Tanz, Theater, Literatur, Architektur. Diese Kultur wurde von den Römern übernommen und an ihre Lebensweise angepasst, die sich praktisch orientiert und pragmatisch zeigte. Außerdem hatte die Kunst oft einen politischen Auftrag und verkörperte häufig die weitgehenden Ansprüche der staatlichen Selbstdarstellung. Es entstanden Tempel, die auch den Kaisern geweiht wurden und zahlreiche Büsten der Staatsmänner schmückten öffentliche Gebäude und Plätze.

Mit der Schwächung der römischen Macht und der Verbreitung des Christentums veränderte sich auch die europäische Kunst.
Die frühchristliche Kunst (3. bis 6. Jh.) eröffnete eine neue Epoche, die weniger ein Schönheitsideal anstrebte, vielmehr jedoch den symbolischen Ausdruck der Religiosität und tiefen Spiritualität, sowie den moralischen Lehrzweck zum Ziel hatte. Christliche Symbole, Wandmalereien und Reliefs auf Sarkophagen wirken im Vergleich zur antiken Kunst eher einfach und zeugen von einem tiefgreifenden Umbruch in der Gesellschaft. Besonders im Frühmittelalter (6. bis 10. Jh.) nach der Eroberung Westeuropas durch die Germanen, zeigten sich Schwierigkeiten bei der Auseinandersetzung der spätantiken Kunst mit germanischen Traditionen. Üppige Wandmalereien wurden seltener zugunsten der Buchmalerei mit typischen germanischen Ornamenten und stilisierten Darstellungen. In Süd- und Osteuropa, die unter dem kulturellen Einfluss von Byzanz standen, ging die Malerei eigene Wege und erreichte in Byzanz und bei den slawischen Völkern eine gewisse Eigenständigkeit, die sich vor allem in der Ikonenmalerei zeigte.
Im Hochmittelalter (11. bis 13. Jh.) stand die Kunst in allen europäischen Ländern unter dem Einfluss der Kirche. Nicht nur in der Architektur oder der Malerei, sondern auch im Theater und der Literatur wurden kirchliche Themen (Evangelium, Heiligenviten...) umgesetzt. Seltene Ausnahmen finden sich in der Umgebung der weltlichen Oberschicht, die prunkvolle Paläste (Kaiserpfalz Goslar, Nürnberger Burg, Westminster Hall, Prager Burg...) errichten ließen, sowie Dichtung und Kunsthandwerk förderten.
Im Spätmittelalter (13. bis 15. Jh.) verlagerte sich das Leben von schwer zugänglichen Burgen und abgelegenen Klöstern in die Städte. Das Bürgertum gewann mehr und mehr an Bedeutung. Der Handel blühte und verhalf einigen Kaufleuten zu einem großen Vermögen, das zum Teil auch in Luxusgüter und Prachtbauten investiert wurde. Davon profitierten auch die Handwerker, die zahlreicher wurden und sich in Zünften organisierten. Wichtige Fortschritte wurden in technischer Hinsicht erzielt, die einen direkten Einfluss auf die Kunst hatten. So z.B. führte die Entdeckung des Buchdrucks zur Verbreitung literarischer Werke, Kupferstich und Holzschnitt erlaubten eine preiswerte Vervielfältigung der Kunstwerke, die gotische Bauweise entlastete die Wände und ermöglichte auf diese Weise ausgedehnte Glasmalereien.
 
Diese Entwicklung war jedoch nicht in allen europäischen Ländern einheitlich. Osteuropa litt unter Angriffen von Mongolen und Tataren und verlangsamte sich dadurch in der Kunstentwicklung, während in Italien bereits im frühen 15. Jahrhundert die Renaissance Einzug hielt, die im 16. Jahrhundert fast alle europäischen Länder erreichte. Obwohl dieses Kunstzeitalter einen direkten Bezug zur Antike aufweist, wurde die Entwicklung auf eine neuartige Weise vorangetrieben, die selbst in biblischen Darstellungen den Menschen und seine ihm eigenen Züge in den Vordergrund rückte.
 
In der darauffolgenden Epoche des Barocks verfeinerten die Künstler ihre Techniken, die durch eine illusionistische Malerei und virtuose perspektivische Lichtführung eine prachtvolle Raumausfüllung möglich machten. Die verschiedenen Kunstgattungen wurden nicht mehr getrennt gesehen, sondern zu einem Gesamtkunstwerk konzipiert, in der Architektur, Malerei, Bildhauerei, Dekoration, aber auch die umliegenden Parkanlagen zu einer harmonischen Einheit gelangten.
 
Die extreme Verschnörkelung der Formen löste eine Gegenreaktion in der Kunst aus, die als Klassizismus bezeichnet wird. Klare Linien, strenge Kompositionen und detailgetreue Techniken definierten diesen Stil. Außerdem wurde die Kunst auch als ein Mittel der Erziehung und ein politisches Instrument angesehen, die vor allem in den Gattungen Malerei, Theater, Musik, Tanz und Literatur zum Tragen kam.

Die rationale Dominanz ließ bei vielen Künstlern das Gefühl als Beweggrund bei der Schaffung von Kunstwerken vermissen. Mit der Romantik erfolgte der Ausdruck tiefer Gefühle und poetischer Stimmungen. Das Mittelalter und exotische Darstellungen aus fremden Ländern spielten oft eine Kulisse für die Verdeutlichung seelischer Qualen, starker Gefühle und mystischer Erlebnisse.
 
Die Realitätsflucht der Romantik führte zur Entstehung einer neuen Stilepoche – dem Realismus, der die getreue Wiedergabe der Realität, die authentische Darstellung und die ungeschönte Wirklichkeit zum Ausdruck brachte. Mit diesen Zielen gelang es dem Realismus eine Basis für die Moderne Kunst zu schaffen, die sich ab Ende des 19. Jahrhunderts in den unterschiedlichsten Formen entfaltete. Die technische Entwicklung des 20. Jahrhunderts eröffnete neue Möglichkeiten sowohl in bestehenden Kunstgattungen, als auch bei neu geschaffenen Künsten, wie z.B. der Fotographie und dem Film.