Literatur

Jean-Jacques Rousseau Die Literatur als eine der beliebtesten Kunstgattungen entstand, wie auch die gesamte europäische Kultur, im antiken Griechenland. Durch die Gründung von Kolonien im Mittelmeer- und Schwarzmeerraum verbreitete sich die griechische Literatur auf den Gebieten des heutigen Italiens und Frankreich bis zur Ukraine. Die antike Literatur zeichnete sich durch eine Verbundenheit der Religion mit der humanistischen Philosophie aus. Während der Antike bildeten sich auch die wichtigsten literarischen Gattungen (Epos, Lyrik und Drama) aus, die noch heute von Bedeutung sind. Zu den bedeutendsten Schriftstellern dieser Epoche zählen Homer, Pindar, Sophokles, Euripides, Vergil, Horaz u.a.

Bereits während der Spätantike geschah ein tiefgreifender Wandel in der Weltanschauung. Das Christentum wurde zur vorherrschenden Glaubensrichtung und verdrängte zeitweise andere Themen auch aus der Literatur. Erst im Mittelalter entdeckte man weltliche Themen:

  • Heldenepen (Beowulf, Nibelungenlied, Chanson de Roland, Igorlied…)
  • Antikisierenden Romane (Thebenroman, Trojaroman, Äneasroman…)
  • Höfische Literatur (Rosenroman, Tristan und Isolde…)

In der Literatur des späten Mittelalters traten humanistische Tendenzen auf (Dante Alighieri, Giovanni Boccaccio, Geoffrey Chaucer), die die Renaissance vorbereiteten. Obwohl dieses Kunstzeitalter einen direkten Bezug zur Antike aufweist, haben die Schriftsteller dieser Epoche (Francesco Petrarca, François Rabelais, William Shakespeare, Lope de Vega, Miguel de Cervantes) die Entwicklung auf eine neuartige Weise vorangetrieben, die den Menschen und seine ihm eigenen Züge in den Vordergrund rückte.

Das nachfolgende Barock entwickelte sich in enger Anlehnung an die Literatur der Renaissance. Die Werke der Schriftsteller dieser Epoche (Théophile de Viau, Pedro Calderón de la Barca, Michail Lomonossow u.a.) sind durch eine exzessive Verwendung von Metaphern, Symbolen und Allegorien gekennzeichnet. Die Literatur des Klassizismus (Corneille, Racine, Goethe, Schiller, Molière, Derschawin) zeichnen sich dagegen durch eine klare Sprache aus und das literarische Schaffen unterlag immer mehr strengen Regeln. Besonders strenge Gesetze galten für das Theater. So z.B. musste eine Tragödie dem Gesetz der Drei Einheiten entsprechen:

  • Einheit der Zeit – max. 24 Stunden
  • Einheit des Raumes – die Handlung darf sich nur in einem "Raum" bewegen
  • Einheit der Handlung – in dem ganzen Werk darf es nur eine Haupthandlung geben, die Nebenhandlungen sollten ihr klar untergeordnet werden.

Im 18. Jahrhundert befreite sich die Literatur von den globalen Stilregeln und jeder Schriftsteller entwickelte sein eigenes System. Man kann jedoch zwei wichtige Richtungen unterscheiden: Empfindsamkeit (Samuel Richardson, Jean-Jacques Rousseau, Gotthold Ephraim Lessing, Nikolai Karamsin) und Aufklärung (Denis Diderot, Voltaire, John Locke, Daniel Defoe).

Nach dem Atheismus und Materialismus der Aufklärung des 18. Jahrhunderts setzte sich im 19. Jahrhundert die Romantik (Novalis, Friedrich Schelling, Adam Mickiewicz, Chateaubriand, Hugo) durch. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wurde die Romantik durch den Realismus (Theodor Fontane, Gustav Freytag, Stendhal, Honoré de Balzac, Gustave Flaubert, Charles Dickens, William Makepeace Thackeray, Lew Tolstoi, Anton Tschechow, Fjodor Dostojewski, Iwan Turgenew) und den Naturalismus (Emile Zola, Guy de Maupassant, Henrik Ibsen) ersetzt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstärkte sich der Austausch zwischen den Künstlern Europas und es entstanden zahlreiche modernistische literarische Bewegungen, deren Mitglieder aus unterschiedlichen Ländern stammten. So bekannten sich z.B. zum Symbolismus Paul Valéry aus Frankreich, Maurice Maeterlinck und Émile Verhaeren aus Belgien, Rainer Maria Rilke aus Österreich, Henrik Ibsen aus Norwegen, Waleri Brjussow aus Russland u.a. Auch international war die Gruppe der Surrealisten. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts verstärkten sich die Unterschiede zwischen den Literaturen Ost- und Westeuropas. In Osteuropa wurde der Sozialistische Realismus (Gorki, Scholochow) zur einzig erlaubten Stilrichtung. In der westeuropäischen Literatur beobachtete man eine starke Individualisierung. Die postmodernen Schriftsteller (Le Clézio, Tournier, Calvino, Joyce) sind eher Einzelkämpfer, die in ihren Werken zu einem individuellen Stil tendieren. Sie lassen sich deshalb schwer der einen oder anderen literarischen Richtung zuordnen.

 

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