Mazedonien: Kultur

Auf dem Gebiet der heutigen Republik Mazedonien sind noch heute Spuren des antiken Königreichs Makedonien erhalten. Die bedeutendsten antiken Ruinen von Stobi liegen bei Gradsko in Zentralmazedonien. Ausgrabungen brachten hier zahlreiche Gebäude (Theater, Thermen, Basilika usw.) zu Tage. In der Nähe der Stadt Bitola entdeckte man die Reste der antiken Siedlung Herakleia Lynkestis, die im 4. Jahrhundert v.Chr. gegründet wurde. Aus hellenistischer Zeit stammt das antike Theater in Ohrid. Nach der römischen Eroberung des Landes entwickelten sich diese Städte weiter und neue Siedlungen (Scupi bei Skopje, Astibo im heutigen Štip) entstanden. Die Architektur des Mittelalters wurde durch byzantinische Vorbilder bestimmt. Zuerst wurden Kuppelbasiliken (Hagia Sophia in Ohrid) und später Zentralbauten mit Kreuzgrundriss (Klosterkirche in Nerezi, Kirche des Hl. Johannes von Kaneo, Kirche des Hl. Anastasius in Lešok) errichtet. Während der türkischen Herrschaft wurden in den wichtigen Städten Moscheen, Minarette, Gasthöfe und öffentliche Bäder (Isa-Bey-Moschee und Aladja-Moschee in Skopje, Bunte Moschee in Tetovo) gebaut. Nach der Befreiung von dem Osmanischen Reich begann die Erneuerung der christlichen Klöster. Es entstanden zahlreiche malerische Baukomplexe, wie zum Beispiel das Kloster Sveti Jovan Bigorski.
 
Die Malerei in Mazedonien folgte im Mittelalter ebenfalls den byzantinischen Vorbildern. Berühmt sind die Fresken aus der Kathedrale Hagia Sophia in Ohrid und der Klosterkirche in Nerezi. Die mazedonische Malerei ging jedoch weg vom Prunk hin zur Emotionalität (Kirche des Hl. Klement, Kloster des Hl. Georg Staro Nagoritschane). Während der osmanischen Herrschaft verlangsamte sich das Kunstschaffen in Mazedonien. Erst seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gewinnt die Malerei wieder an Bedeutung. Zu den wichtigsten mazedonischen Malern zählen Lazar Licenoski, Dimitar Andonov Papradiski und Dimitar Avramovski Pandilov.
 
Das Mazedonische wurde erst im Jahre 1945 zur literarischen Sprache erhoben. Aus diesem Grund zählt die mazedonische Literatur zu den jüngsten in Europa. Allerdings wurden die ersten literarischen Werke bereits im 19. Jahrhundert veröffentlicht. Die Gebrüder Miladinow schrieben Volksmärchen und Lieder in mazedonischer Sprache auf. Im Jahre 1939 erschien das erste Buch von Kosta Racin, das eine herausragende Bedeutung für die Sprachentwicklung in Mazedonien hatte. An der systematischen Ausarbeitung der Grammatik und Rechtschreibung war maßgeblich der Schriftsteller Blaže Koneski beteiligt, der außer sprachwissenschaftlichen Werken auch zahlreiche Gedichte und Erzählungen verfasste. Ebenfalls berühmt sind Luan Starova, Slavko Janevski, Kim Mehmeti und Gane Todorovski.
 
Die Entstehung der mazedonischen Musik geht auf das Mittelalter zurück. Unter dem Einfluss von Byzanz war Musik ein notwendiger Bestandteil des Gottesdienstes und die mazedonischen Musiker entwickelten die geistlichen Lieder weiter. Nach der Eroberung des Landes durch die Osmanen wurde die christliche Musik verboten, die volkstümlichen Lieder nahmen jedoch die orientalischen Klänge der Besatzer auf. Einen entscheidenden Einfluss auf die mazedonische Musik hatten jedoch die Roma. Herausragend ist die Musikerin Esma Redžepova, die Weltruhm erlangte. Die klassische Musik trat im 19. Jahrhundert in Erscheinung. Der erste mazedonische Komponist war Atanas Badev, dem zahlreiche talentierte Künstler folgten: Trajko Prokopiev, Todor Skalovski, Vlastimir Nikolovski und Toma Prosev.

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