Mittelalter

Im Frühmittelalter verbreitete sich die christliche Kultur in ganz Europa. Geteilt in römisch-katholische (Nord-Westen) und griechisch-orthodoxe Kirchen (Süd-Osten), hatte das Christentum sowohl gegen frühere Naturreligionen, als auch gegen die Einflüsse von Seiten der asiatischen (Tataren-Mongolen in Russland, Türken auf dem Balkan…) und nordafrikanischen (Spanien, Malta…) Invasoren Bestand. Die Kirche selbst erfüllte damals nicht nur Aufgaben auf dem Gebiet des Glaubens und der Seelsorge, sondern entwickelte sich zu einem bedeutenden sozialen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Instrument. In der Zeit der Entstehung und dem Zerfall von Staaten verbunden mit erbitterten Machtkämpfen oder fragilen Bündnissen zwischen den einzelnen Herrschern fiel der Kirche eine stabilisierende Rolle zu. Auch als sich die Nationalstaaten auf europäischem Gebiet herauskristallisierten, sicherte die Kirche sich durch Bündnisse mit der Monarchie eine Vormachtstellung in der Gesellschaft.
 
Als erster europäischer Monarch erkannte der Franken-König Chlodwig den Wert des Bundes mit der Kirche und nach einem Vertrag mit dem Papst ließ er sich Ende des 5. Jahrhunderts zusammen mit seiner Gefolgschaft taufen. Nach und nach unterwarfen die Frankenkönige alle umliegenden Gebiete, so dass das Frankenreich unter Karl dem Großen den größten Teil von West- und Mitteleuropa zwischen Spanien und Ungarn einschloss. Im 9. Jahrhundert zerfiel das Imperium in mehrere Königreiche, die jedoch durch den wachsenden Einfluss des Adels geschwächt wurden.
 
Diese Prozesse verstärkten sich im Hochmittelalter, als es in Westeuropa praktisch keine neuen Gebiete zu erobern gab, um die Dienste des Königs zu belohnen, und in Osteuropa die komplizierte Erbfolge der Rurikiden im Kiewer Rus zu ständigen Machtkämpfen zwischen den Teilfürstentümern führte. Nur das Byzantinische Reich konnte sich in dieser Zeit als Großmacht behaupten.
 
Zu Beginn des Spätmittelalters verlor auch Byzanz an Macht, obwohl es noch lange als eine Brücke zwischen unterschiedlichen Kulturen und als wichtiger Handelsplatz diente. Das Aufleben des Handels in Europa führte zur Entwicklung der Städte und der Entstehung des Bürgertums, das zunehmend eine wichtige Rolle nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Kultur spielte. Andererseits führte der Handel zur Verbreitung von Epidemien in bisher unbekannten Ausmaßen. Binnen kürzester Zeit verbreitete sich Mitte des 14. Jahrhunderts die Pest von Südrussland bis nach Spanien, kostete fast der Hälfte der europäischen Bevölkerung das Leben und löste eine wirtschaftliche Depression aus. Auch Kriege blieben dieser Epoche nicht erspart: das mongolische Eindringen in das Kiewer Rus brachte das Land an den Rand einer Katastrophe, der Hundertjährige Krieg legte die Entwicklung von Frankreich und England lahm, die Eroberung von Byzanz durch die Türken setzte  dem Byzantinischen Reich ein Ende, das auch als Ende des Mittelalters und als Beginn der Neuzeit angesehen wird.

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