Niederlande: Geschichte

Das Gebiet der heutigen Niederlande wurde bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. In der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends v.Chr. wurde das Land von den Kelten bewohnt, die später durch die germanischen Völker der Batavern und Friesen verdrängt wurden. Im Jahre 58 v.Chr. eroberte Julius Caesar den südlichen Teil des heutigen Hollands, lediglich die Nordgebiete blieben im Besitz der Friesen. Die Römer integrierten das Territorium in die Provinz Gallia Belgica und später wurde es an die Provinz Germania Inferior angeschlossen. Auf die Römerzeit gehen die Städte Utrecht, Nimwegen und Maastricht zurück.
 
Im 3. / 4. Jahrhundert drangen die Sachsen in die östlichen und die Franken in die westlichen und südlichen Gebiete ein. Nach und nach unterwarfen die Franken ihre Nachbarn und unter Karl dem Großen waren die ganzen Niederlande Bestandteil des Frankenreiches. Nach der Reichsteilung von Verdun fielen die Niederlande zunächst an Lothar und im Jahre 925 an das Ostfrankenreich. Nur Flandern kam zum späteren Frankreich.

Im 12. / 14. Jahrhundert erlebten die Niederlande auf Grund des blühenden Handels und des hochentwickelten Handwerks einen wirtschaftlichen Aufschwung. Dies verstärkte den Einfluss der lokalen Herrscher (Graf von Holland, Graf von Zeeland, Herzog von Geldern, Bischof von Utrecht) gegenüber dem Kaiser. Im 14. / 15. Jahrhundert bekamen die Herzöge von Burgund die Gebiete, die nach dem Tod des letzten Herrschers dieser Dynastie Karls des Kühnen an die Habsburger fielen. Nachdem Philipp II. König von Spanien wurde, verstärkte er die zentralistische Verwaltung auch in den Niederlanden. Dies stieß auf den Widerstand des Bürgertums, der nach langjährigem Kampf zur Gründung der Republik der Vereinigten Niederlande führte. Im Jahre 1648 erkannte Spanien ihre Unabhängigkeit an.
 
Die politische Unabhängigkeit, die Schlüsselposition in Welthandel und die Erfolge in der Schifffahrt machten aus den Niederlanden die größte Wirtschaftsmacht der Welt. Jedoch verloren die Niederlande auf Grund einer verspäteten industriellen Entwicklung und Niederlagen in Seekriegen den Wettstreit gegen England.

Nach der Französischen Revolution eroberte Frankreich die Niederlande, die Napoleon im Jahre 1806 in ein Königreich Holland umwandelte. Vier Jahre später gliederte er diese Gebiete dem Französischen Imperium an. Nach der Niederlage Napoleons erklärte der Wiener Kongress (1815) die Niederlande zu einem souveränen Königreich der Vereinigten Niederlande, das bis 1830 auch Belgien einschloss. Seit dieser Zeit stammen die Herrscher der Niederlande aus dem Haus Oranien-Nassau.

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts setzten die Niederlande auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, vor allem auf internationale Handels- und Finanzbeziehungen. Außenpolitisch verfolgten die Niederlande eine Neutralitätspolitik, die im 1. Weltkrieg noch durchgesetzt werden konnte. Der 2. Weltkrieg brachte jedoch die Besatzung durch Deutschland und die Zerstörung mehrer Städte (Rotterdam, Middelburg u.a.) mit sich. Nach der Befreiung durch die Alliierten im Jahre 1945 wichen die Niederlande von ihrer Neutralitätspolitik ab und schlossen sich zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Bündnissen an: Benelux, UNO, NATO... Auf europäischer Bühne spielten die Niederlande der Nachkriegszeit eine tragende Rolle, indem sie als Gründungsmitglied der EU fungierten und auch heute noch zu den aktivsten Teilnehmern zählen.