Polen: Geschichte

Das Gebiet des heutigen Polens wurde seit der Altsteinzeit besiedelt. Während der Bronzezeit wurde die Bevölkerung sesshaft und betrieb Ackerbau. Im 4. Jahrhundert v.Chr. kamen die Kelten in diese Gebiete, die sich mit der Urbevölkerung vermischten. Während der Antike unterhielten die Bewohner des heutigen Polens Handelsbeziehungen zu Griechenland und Rom. Zur gleichen Zeit erfolgten dauerhafte Kämpfe mit Germanischen Stämmen, die Mitte des 3. Jahrhunderts weiter nach Westen zogen.
 
Im 5. Jahrhundert kamen westslawische Stämme in diese Gebiete, unter denen das Volk der Polanen schnell an Bedeutung gewann. Der heutige Landesname leitet sich von diesem slawischen Volk ab. Bis zum 10. Jahrhundert unterwarfen die Polanen alle anderen Stämme und vereinten somit das Territorium. Als erster historisch gesicherter polnischer Herrscher gilt Herzog Mieszko I. Unter ihm erfolgte die Einführung der römisch-katholischen Religion. Sein Nachfolger Boleslaw I. der Tapfere erweiterte seine Gebiete deutlich und ließ sich im Jahre 1025 zum König krönen. Die königliche Macht konnte sich jedoch nicht auf Dauer durchsetzen und im 12. Jahrhundert zerfiel das Land in vier Fürstentümer (Großpolen, Kleinpolen, Schlesien und Masowien). Die politische und wirtschaftliche Zersplitterung Polens schwächte sein militärisches Potential und hatte Gebietsverluste zur Folge. Außerdem fiel es den Mongolen und Tataren leicht, das Land zu plündern und verwüsten.
 
Im 14. Jahrhundert waren die Versuche, das Land zu vereinen unter Kasimir III., dem Großen von Erfolg gekrönt. Sein Nachfolger und Neffe Ludwig I. starb ohne männliche Nachkommen. Ludwigs Tochter Hedwig heiratete den Großfürsten Jagiello von Litauen, wodurch in Personalunion der Staat Polen-Litauen entstand. Im Jahre 1569 wurde die Personalunion in eine Realunion umgewandelt und die neu gegründete polnische Adelsrepublik wurde zu einem der mächtigsten Staaten Europas. Ab 1572 gewann der Adel noch zusätzlich an Einfluss, indem er das Recht auf Königswahl bekam. Die Uneinigkeit des Adels und zahlreiche militärische Aktionen führten zu Territorialverlusten und zur Verminderung des politischen Einflusses Polens in Europa. Besonders folgenschwer waren die Teilungen Polens, die zwischen 1772 und 1795 durch Russland, Preußen und Österreich veranlasst wurden und zur Auflösung des Staates führten. Erst nach dem 1. Weltkrieg erlangte Polen seine Unabhängigkeit wieder und konnte sogar durch den Sieg im Polnisch-Sowjetischen Krieg (1919-1920) die Westunkraine und Westweißrussland gewinnen. Der Hitler-Stalin-Pakt im Jahre 1939 führte zur erneuten Auflösung Polens und seiner Aufteilung zwischen der Sowjetunion und Deutschland.
 
Am 1. September 1939 begann mit dem Angriff Deutschlands auf Polen der 2. Weltkrieg. Nach einer raschen Besatzung des Landes entstand bald eine Widerstandsbewegung der Polen, sowohl im eigenen Land, als auch u.a. in der Sowjetunion. Gemeinsam mit der Roten Armee befreiten sie Polen im März 1945. Nach der Potsdamer Konferenz bekam Polen über 100 Tausend Quadratkilometer im Westen und die Grenze zu Deutschland verlief jetzt entlang der Oder-Neiße. Noch während der ersten Phase der Befreiung Polens unterstützte die Sowjetunion die Gründung des Polnischen Komitees der nationalen Befreiung, mit dem sich pro-kommunistische politische Kräfte zum Demokratischen Block vereinigten, der die Parlamentswahlen im Jahre 1947 gewann. Im nächsten Jahr ging aus diesem Block die Polnische Vereinigte Arbeiterpartei hervor, die die Macht im Land bis 1989 innehatte. Bereits Anfang der 80-er Jahre entstand in Polen eine wachsende oppositionelle Bewegung „Solidarność“, die die ersten demokratischen Wahlen im Juni 1989 gewann und den Übergang zur Marktwirtschaft in Polen einleitete. Tiefgreifende soziale, politische und wirtschaftliche Reformen ebneten den Weg zum Beitritt Polens in die EU im Jahre 2004.

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