Portugal: Kultur

Portugal stand in der Antike unter dem Einfluss der hochentwickelten Kultur des Römischen Imperiums. Aus dieser Zeit sind bis heute mehrere Meisterwerke der Architektur erhalten geblieben (Diana-Tempel in Evora, Aquädukt in Coimbra, öffentlicher Springbrunnen in Braga...). Die arabische Eroberung Portugals hinterließ ebenfalls ihre Spuren in der Architektur (Burg in Silves, Moschee in Mértola, Castelo dos Mouros bei Lissabon). Seit dem 11. Jahrhundert war Nordportugal bereits von den Mauren befreit und das Christentum bestimmte die Kultur. In bedeutenden Städten errichtete man Kathedralen, die gemäß dem westeuropäischen Zeitgeist im Stil der Romanik gebaut wurden (Braga, Evora, Porto, Tomar und Lissabon). Seit dem 13. Jahrhundert werden die unvollendeten Bauten in gotischem Stil fertiggestellt. Nur wenige Gebäude weisen einen rein gotischen Baustil auf, wie zum Beispiel die Carmo-Kirche in Lissabon oder die Kirche São-Francisco in Evora. Ende des 15. Jahrhunderts entwickelte sich in Portugal aus der Spätgotik eine dekorative Stilvariante, die nach König Manuel I. als Manuelinischer Stil bezeichnet wird. Zu den wenigen erhalten gebliebenen Bauwerken zählt der Torre de Belém und Hieronymus-Kloster in Lissabon, sowie das Kloster Santa Maria da Vitória in Batalha und der Kapitelsaal des Christusklosters in Tomar. Im 16. Jahrhundert setzte sich auch in Portugal die Renaissance-Architektur durch (Kirchen São Roque und São Vicente de Fora in Lissabon, sowie die Conceição-Kapelle in Tomar). Die Zeit des Barocks war das goldene Zeitalter in Portugal. Aus den Aktivitäten in seinen Kolonien gewann Portugal bedeutende Reichtümer, die auch in den Bau repräsentativer Paläste und prunkvoller Kirchen investiert wurden (Nationalpalast von Mafra). Ein gewaltiges Erdbeben im Jahre 1755 zerstörte zahlreiche Gebäude und die nachfolgende Zeit wurde für den Wiederaufbau verwendet. Es entstanden nüchterne Bauwerke auf Grund fehlender Finanzmittel. Die Arbeiten wurden von Sebastião José de Carvalho e Melo, Marquis von Pombal veranlasst und dauerten bis ins 19. Jahrhundert. Zu den bedeutenden Beispielen dieses „pombalischen“ Stils zählen der Praça do Comércio in Lissabon, die Stadt Vila Real de Santo António an der Algarve und der Justizpalast in Porto. Nach der Machtübernahme durch Salazar versuchte der Diktator seinem Regime auch mit monumentalen Bauwerken Ausdruck zu verleihen. Unter anderem wurden die Universität von Coimbra und die Hängebrücke über den Tejo errichtet. Die Architektur der Postmoderne wird durch den Hochhauskomplex Torres das Amoreiras in Lissabon von Tomás Taveira, das Museum für Moderne Kunst in Porto von Álvaro Siza und das Städtische Stadion in Braga von Eduardo Souto de Moura.
 
Die nationale Schule der Malerei entstand in Portugal nach der Rückeroberung der Gebiete von den Mauren. Die ersten Bilder stellten überwiegend christliche Motive dar. Während der Renaissance kamen humanistische Gedanken in die Malerei (Jorge Afonso, Garcia Fernandes). Zu dieser Zeit intensivierten sich die kulturellen Beziehungen zwischen Portugal und Flandern und einige flämische Maler, wie zum Beispiel Francisco Henriques, kamen ins Land. Dies erklärt die Ähnlichkeiten in den Kunstwerken beider Länder und das Vorherrschen des Realismus in der Landschafts- und Genremalerei (Columbano Bordalo Pinheiro, José Malhoa) bis ins 19. Jahrhundert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trat mit Amadeo de Souza-Cardoso, Guilherme de Santa-Rita und José Sobral de Almada Negreiros die Moderne in Erscheinung. Die zeitgenössische Malerei Portugals hat hervorragende Künstler, wie zum Beispiel Maria Elena Vieira da Silva und Paula Rego.
 
Die Anfänge der portugiesischen Literatur standen unter dem Einfluss der provenzalischen Troubadour-Lyrik. Thematisch gesehen dominierten Liebesgedichte und Mystik, sowie satirische oder witzige Lieder. Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zeigten sich deutliche Einflüsse der lateinischen und italienischen Literatur. Zunächst beschränkte sich das Schaffen auf die Adaptation bekannter mittelalterlicher Stoffe, später jedoch fanden die Schriftsteller (Resede, Gil Vicente und Bernardim Ribeiro) eigene Ausdrucksformen. Francisco de Sá de Miranda, der eine nachhaltige Wirkung auf die portugiesische Literatur hatte, bereicherte die nationale Dichtung durch italienische Versmaße und Rhythmen. Die koloniale Expansion Portugals im 16. Jahrhundert erweiterte die Literatur (Damião de Góis, Fernão Mendes Pinto, Fernão Álvares) um neue Themen. Ein herausragendes Beispiel dieses Genres stellen Die Lusiaden von Luís Vaz de Camões dar, die in Anlehnung an die klassische Dichtkunst der Antike die Seereise Vasco da Gamas glorifizieren. Die spanische Herrschaft über Portugal seit dem Jahre 1580 wirkte sich auch negativ auf die kulturelle Entwicklung des Landes aus. Die Autoren (Jeronimo Corte Real, Pereira Brandão, Pereira de Castro) wendeten sich überwiegend der glorreichen Vergangenheit Portugals zu und schufen eine Reihe epischer Dichtungen im Stil von Camões, was wenig Raum für Neues ließ. Erst im 19. Jahrhundert kamen mit der Romantik (Alexandre Herculano und Almeida Garrett) neue Impulse in die portugiesische Literatur. In ihren Werken nutzten die Schriftsteller idealisierte Bilder der Geschichte, um dem Land neue Perspektiven aufzuzeigen. Die realistischen Autoren (Eça de Queiroz, Antero de Quental, Teófilo Braga) übten dagegen offene Sozialkritik an den gesellschaftlichen Zuständen ihrer Epoche. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Portugals Literatur durch den Saudosismus, eine dem Symbolismus nahe stehende Richtung, bereichert. Die Autoren dieses Kreises (Teixeira de Pascoaes, António Sergio und Raul Proença) riefen zur Erneuerung des nationalen Selbstbewusstseins auf, indem sie voller Sehnsucht und Schwermut ihrer Weltanschauung Ausdruck gaben. Dem Saudosismus stand am Anfang auch der berühmteste moderne Schriftsteller Portugals Fernando Pessoa nahe. Auch die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts erwies sich als sehr produktiv für die portugiesische Literatur. Die bedeutendsten Vertreter der Postmoderne sind Inês Pedrosa, Antonío Lobo Antunes und der Nobelpreisträger José Saramago.
 
Die Musik Portugals entwickelte sich in Einklang mit den musikalischen Traditionen der Keltoiberer, sowie der römischen Antike. Im Mittelalter hielt die Musik der Mauren Einzug in Portugal. Außerdem wurde sie auch durch die portugiesischen Seefahrer bereichert, die von ihren Entdeckungsreisen die Musik fremder Länder nach Portugal brachten. Ein hervorragendes Ergebnis der unterschiedlichen Einflüsse verschiedener Zivilisationen stellt der melancholische Fado dar, in dem man griechische, römische, arabische und brasilianische Elemente erkennen kann. Heute wird der Fado vor allem in Lissabon dargeboten, die als musikalische Hauptstadt des Landes gilt. Hier befinden sich die berühmte Oper São Carlos, das Konservatorium und die Akademie der Musik.

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