Rumänien: Kultur

Die Kultur Rumäniens stellt eine Synthese aus altrömischen, byzantinischen, slawischen, griechischen, türkischen und ungarischen Einflüssen dar. Eine eigenständige rumänische Literatur entstand im 16. Jahrhundert mit einem Brief des Kaufmanns Neacşu aus Câmpulung aus dem Jahre 1521, der noch mit kyrillischem Alphabet geschrieben wurde. Später folgten Übersetzungen von Psalmen und der Bibel. Während des Humanismus wurden mehrere Chroniken verfasst, u.a. Chronik Moldaviens von Grigore Ureche und Geschichte der Entstehung und des Verfalls des Osmanischen Reiches von Dimitrie Cantemir. Eine große Rolle bei der Entwicklung der rumänischen Sprache spielte die Rumänische Grammatik (1787) von Ienachita Vacarescu. Die Dichtung dieser Epoche stand unter dem Einfluss der griechischen Kultur. So zum Beispiel übernahm Alecu Vacarescu den verspielt-galanten Stil des altgriechischen Lyrikers Anakreon aus dem 6. Jh. v.Chr. Sein Sohn Iancu Vacarescu war Wegbereiter für die moderne rumänische Dichtkunst. Seine philosophischen Gedichte und Balladen wurden von der Volksdichtung inspiriert. Eine andere Inspiration hatte die nächste Generation rumänischer Schriftsteller (Gheorghe Asachi, Ion Budai Deleanu und Dinicu Golescu) mit der europäischen Aufklärung. Die Ideen der Aufklärung verstärkten die nationalen Gefühle unter den kommenden Schriftstellern, zu denen Andrei Muresanu, Vasile Alecsandri, Ion Luca Caragiale und Mihai Eminescu gehörten. Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde durch soziale Themen geprägt (Liviu Rebreanu, Mihail Sadoveanu, Camil Petrescu). Zu den bedeutenden Vertretern der rumänischen Literatur der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zählen Marin Preda, Augustin Buzura und Nichita Stanescu. Einige berühmte Schriftsteller verließen ihre Heimat und wirkten in Frankreich (Eugen Ionescu, Tristan Tzara, Emil Cioran).
 
Die Musik in Rumänien kann auf eine produktive Vergangenheit zurückblicken. Dazu zählen kirchliche Kompositionen aus der byzantinischen Schule und die traditionsreiche Folklore. Bis heute sind Volksmelodien und Tänze ein wichtiger Bestandteil der rumänischen Kultur. Die Klassische Musik dagegen entwickelte sich erst im 19. Jahrhundert. Eine europaweite Berühmtheit erlangte der Geigenvirtuose und Dirigent George Enescu. Zu seiner Ehre wird in Rumänien jährlich das "George Enescu" International Festival in Bukarest veranstaltet.
 
Die rumänische Malerei entwickelte sich im Mittelalter im Zusammenspiel der gotischen Kunst Zentraleuropas und spätbyzantinischen Einflüssen (Fresken im Kloster von Cozia und in der Kirche von Curtea d'Argeş). Während der Renaissance erweiterte sich die Thematik auf weltliche Motive. Nicht selten wurden Landschaften und Bauwerke als Hintergrund für Porträts verwendet. Parallel dazu entwickelte sich die Ikonenkunst unter dem Einfluss der russischen Schule. Erst im 19. Jahrhundert trennte sich die Malerei entgültig von kirchlichen Themen. Die herrschenden Stilrichtungen waren die Romantik und der Realismus (Ion D. Negulicis, T. Aman, I. Andreescu, N. Grigorescu). In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbreiteten sich die Einflüsse der französischen Malerei, u.a. des Fauvismus und des Kubismus. Wichtige Vertreter dieser Bewegung waren Theodor Pallady, Camil Ressu und Stefan Dimitrescu.
 
Die Architektur Rumäniens konnte in ihrer Entwicklung auf antike Vorbilder zurückgreifen. Bereits im 6. Jahrhundert v.Chr. wurden am Schwarzen Meer griechische Kolonien gegründet, deren Reste noch heute erhalten sind (Mangalia, Konstanza...). Ebenfalls erhalten sind die dakischen Festungen Sarmizegetusa aus dem 1. Jahrhundert v.Chr. Als Teil einer römischen Provinz weist Rumänien noch zahlreiche Zeugnisse aus dieser Zeit (Adamklissi, Konstanza) auf. Leider wurden während der Völkerwanderung viele Bauwerke zerstört. Erst im 11. Jahrhundert setzte sich die Bautätigkeit fort, die jedoch auf dem Gebiet des heutigen Rumäniens unterschiedliche Wege ging. Die Walachei und die Moldau standen mit ihren Kreuzkuppelkirchen der byzantinischen Kultur nahe, während Transsilvanien sich an deutschen, tschechischen und polnischen Vorbildern orientierte. Auch die Militärarchitektur unterschied sich je nach Region. Die Festungen der Walachei und der Moldau wiesen einen rechteckigen Grundriss auf (Festung Suceava), die Burgen in Transsilvanien zeigten einen unregelmäßigen Grundriss (Schlösser Bran und Hunedoara). Seit dem 15. Jahrhundert näherten sich die beiden architektonischen Traditionen an und es entstanden Bauwerke, die sowohl gotische als auch byzantinische Elemente aufwiesen, wie zum Beispiel die Klosterkirche von Neamt. Im 16. Jahrhundert wurden zunehmend die Portale und Außenwände der Kirchen mit Fresken geschmückt (Klöster Voronet, Sucevita und Moldovita). Das 17. Jahrhundert zeichnete sich durch eine rege Bautätigkeit großer Anlagen und der Bereicherung traditioneller Bauformen durch Renaissance- und Barockelementen aus (Stavropoleos-Kirche in Bukarest, Schloss Mogosoaia, Kloster Trei Ierarhi). Das folgende Jahrhundert konzentrierte sich im Wesentlichen auf den barocken Baustil, unter Beibehaltung nationaler Eigenschaften, die jedoch im 19. und 20. Jahrhunderten immer seltener hervortraten.

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