Russland: Geschichte

Die ersten Spuren menschlicher Besiedelung auf dem Gebiet des heutigen Russlands finden sich vor 700 Tausend Jahren. In der Jungsteinzeit wurden die Menschen sesshaft und betrieben Ackerbau und Viehzucht. Im 2. bis 3 Jahrtausend v.Chr. entwickelte sich die Metallverarbeitung. Im 1. Jahrtausend v.Chr. besiedelten zahlreiche Völker (u.a. Slawen, Finno-Ugren, Tschuktschen, Kaukasier...) das riesige Gebiet. Die erste schriftliche Erwähnung der Slawen geht auf das 6. Jh. v.Chr. zurück. Zu dieser Zeit gab es schon mehrere slawische Handels- und Handwerkszentren wie z.B. Nowgorod und Smolensk.
 
Im 9. Jh. fiel der größte Teil des heutigen Russlands auf europäischem Gebiet unter die Herrschaft der Fürsten von Kiew, die Nowgorod im Norden als zweites Machtzentrum wählten. Im 13. Jh. eroberte die mongolische Goldene Horde fast das ganze russische Reich und zerstörte Kiew. Um die Herrschaftszentren von Russland (Nowgorod und Wladimir) zu schwächen, haben die Mongolen den Sitz der Russisch-Orthodoxen Kirche nach Moskau verlegt. Die Moskauer Fürsten gewannen mit der Zeit an Einfluss und konnten sich schließlich im Jahre 1480 von der mongolischen Herrschaft befreien. Die bereits unter Iwan III. begonnene Erweiterung des russischen Gebietes, wurde unter Iwan IV. (dem Schrecklichen) noch fortgesetzt, wodurch sich Russland von der Ostsee bis Sibirien erstreckte und zu einem der größten Staaten der Welt wurde.
 
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts unternahm Peter I. der Große eine Umorientierung der russischen Politik Richtung Westeuropa und ließ 1703 eine neue Stadt (Sankt Petersburg) im Norden des Landes erbauen, die 1712 zur Hauptstadt des russischen Kaiserreiches wurde. Die Reformen des Zaren und seiner Nachfolger (Katharina II. die Große und Alexander I.) waren von Erfolg gekrönt, so dass selbst die siegreiche Armee Napoleons bei ihrem Eroberungsversuch im Jahre 1812 scheiterte. Durch diesen Sieg erlangte Russland eine Vormachtstellung in Europa, die jedoch nach einer Niederlage im 1. Weltkrieg geschwächt wurde.
 
Danach erschütterten wirtschaftliche und politische Krisen das Land. Die junge Kommunistische Partei unter Lenin konnte in dieser Situation erstarken und übernahm im Jahre 1917 nach der Oktoberrevolution die Macht. Es gelang mit militärischer Hilfe in benachbarten Ländern Anhänger dieser Ideologie zu finden und kommunistische Regierungen zu bilden. Dies führte im Jahre 1922 zur Gründung, der Sowjetunion, die außer Russland noch 14 weitere „Republiken“ umfasste. Lenin und seine Nachfolger (Stalin, Chruschtschow, Breschnew) versuchten eine neue Gesellschaft nach den Ideen von Marx und Engels zu schaffen. Die nach 70 Jahren kommunistischer Regierung dringend nötigen Reformen wurden von Präsident Michail Gorbatschow eingeleitet und führten schließlich zum Zerfall der Sowjetunion. Die russischen Präsidenten Boris Jelzin und Wladimir Putin förderten eine ideologische Öffnung des Landes und brachten marktwirtschaftliche Reformen auf den Weg.

Seit 2012 beobachtet man jedoch eine stetige Abkehr von demokratischen Werten, gefolgt von einer ideologischen Annäherung an europäische rechtsextreme Parteien, dem Wachstum des Nationalismus und einer antieuropäischen Hysterie. Diese Politik fand ihren Höhepunkt in der Annektion der Halbinsel Krim und verdeckten militärischen Intervention im Südosten der Ukraine, was einen klaren Bruch des internationalen Rechts darstellt.