Russland: Kultur

Die kulturelle Landschaft Russlands wurde durch zahlreiche Volksgruppen mit unterschiedlichen Traditionen und Sprachen geprägt. Außerdem unterlag das Land auf Grund seiner geographischen Lage an der Kreuzung zwischen Byzanz, Westeuropa und Asien den unterschiedlichsten kulturellen und religiösen Einflüssen. Da Russland sich der griechisch-orthodoxen Religion anschloss, wurde die russische Kultur, hauptsächlich in den Bereichen Kirchenbau, Literatur, Ikonenmalerei und Gesang, durch griechische oder byzantinische Vorbilder entscheidend beeinflusst. Die ersten literarischen Werke sind meistens Übertragungen der griechischen Heiligenviten, Chroniken oder biblischer Texte. Selbst in den unteren Schichten des ältesten Wachstafelbuches Nowgoroder Kodex wurden Psalmen und biblische Auszüge gefunden.

Die kulturelle Entwicklung Russlands wurde mehr als 200 Jahre durch die mongolische Eroberung unterbrochen. Zahlreiche Bauten, die zu dieser Zeit überwiegend aus Holz waren, wurden vernichtet. Jedoch ist die traditionelle Bauweise in späteren Bauwerken sichtbar, wie z.B. die Basiliuskathedrale in Moskau oder den Zarenpalast in Kolomenskoje.
 
Die wirtschaftliche und politische Öffnung Russlands unter Peter I. dem Großen führte zur Annäherung der russischen und westeuropäischen Kulturen. Für den Bau seiner neuen Hauptstadt Sankt Petersburg lud er europäische Architekten nach Russland ein, die in Zusammenarbeit mit den heimischen Baumeistern beeindruckende architektonische Ensembles schufen. Jedoch führte die nicht immer reflektierte Übernahme der westeuropäischen Kultur zu Widersprüchen mit den stark verwurzelten russischen Traditionen. Die Überwindung dieser Gegensätze verhalf der russischen Kultur zu einer tiefgreifenden Entwicklung, die eine Fülle an Künstlern hervorbrachte:

Das Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts zeichnete sich durch die intensive Suche nach neuen künstlerischen Formen und Sprachen aus. Vor allem in der Dichtung (Majakowski, Pasternak, Blok, Zwetajewa...), Musik (Skrjabin, Strawinski, Prokofjew...) und Malerei (Kandinsky, Chagall, Malewitsch...) entwickelten sich neue Strömungen.
 
Nach der Oktoberrevolution 1917 erklärte Lenin die Kultur zu einem Mittel im ideologischen Kampf gegen den Kapitalismus. Viele Künstler verließen das Land (Solschenizyn, Tarkowski, Galitsch...), einige arrangierten sich mit dem System oder waren von den Ideen überzeugt (Eisenstein, Scholochow...), andere arbeiteten ohne jede Aussicht auf eine legale Veröffentlichung. Dies erklärt, dass nach dem Zerfall der Sowjetunion der Kunstmarkt durch die in den letzten 50 Jahren geschaffenen Werke überflutet wurde. Dies beflügelte die Kreativität der jungen Künstler, die der Öffentlichkeit durchaus interessante Ansätze darboten.

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