Schweden: Kultur

Die frühesten Zeugnisse der schwedischen Kunst (Felsritzungen von Tanum, Verzierungen von Waffen und Gebrauchsgegenständen) stammen aus der Bronzezeit. Die Eisenzeit brachte u.a. phantasievoll verzierten Goldschmuck, Flechtornamente auf Metall und Holz, sowie bootförmige Steinanordnungen hervor. Einen bedeutenden Schritt in der Kunstentwicklung machte Schweden während der Wikingerzeit. Es entstanden imposante Runen- oder Bildsteine mit oft komplizierten Kompositionen, die Menschen, Schiffe, Tiere und Ornamente darstellten.
 
Der Bau der Wohnhäuser erfolgte weiterhin aus Holz, jedoch in soliderer Bauweise. Stein als Baumaterial wurde erst seit dem 11. Jahrhundert vor allem für den Bau von Klöstern und Kirchen verwendet (Alt-Uppsala, Sigtuna, Lund). Der vorherrschende Stil der Architektur blieb bis zum 13. Jahrhundert die Romanik, die danach von der Gotik abgelöst wurde. Es wurden leichter zu verarbeitende Materialien wie Backstein (die Kathedralen in Uppsala und Västerås, die Nikolaikirche in Stockholm) oder Kalkstein (Dom von Skara) verwendet. Die Entwicklung der Architektur von der Romanik bis zur Spätgotik lässt sich bei der Kathedrale in Linköping auf eindrucksvolle Weise beobachten. Im 16. Jahrhundert wurden burgähnliche Schlösser (Gripsholm, Vadstena und Kalmar) mit Renaissance-Elementen erbaut. Die Architektur des 17. Jahrhunderts entwickelte sich im Geiste des Barocks. Stadtschlösser und Landsitze des Adels mit Parks nach französischem Vorbild wurden errichtet. Im Kirchenbau zeigt sich der Barock in der prunkvollen Katarinenkirche in Stockholm. Der Städtebau zu dieser Zeit unterschied sich grundlegend von den mittelalterlichen Siedlungen mit engen verwinkelten Gassen. Die neuen Städte wie z.B. Karlskrona oder Karlshamn weisen eine schachbrettartige Anordnung der Gebäude um einen zentralen Platz auf. Den Übergang zum Klassizismus stellt das Rokoko u.a. mit dem Sommerschloss in Drottningholm und der Kirche von Öved des Architekten Carl Fredrik Adelcrantz, sowie dem Schloss Övedskloster von Carl Hårleman dar. Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die Architektur des Klassizismus (die Skeppsholmskirche in Stockholm von Fredrik Blom), die von dem Historismus (Johan Fredrik Åbom, Fredrik Wilhelm Scholanders...) im 19. Jahrhundert abgelöst wurde. Das darauf folgende Jahrhundert begann in der Architektur mit einer kurzen Periode des Jugendstils (das Königliche Dramatische Theater in Stockholm von Fredrik Lilljekvist). Danach versuchten die schwedischen Architekten ihren eigenen Stil auf der Basis der Nationalromantik (Carl Westman, Ragnar Östberg) zu entwickeln. Auf dieser Grundlage formierte sich die neuklassizistische Richtung (Gunnar Asplund, Ivar Tengbom, Erik Lallerstedt) und die Schule der modernen (Sven Markelius) und postmodernen (Ralph Erskine) Architektur.
 
Die Malerei Schwedens nahm ihren Anfang im Mittelalter als Buchmalerei und dekorative Wandmalerei. Der berühmteste Vertreter dieser Epoche war Albertus Pictor, dessen Arbeiten traditionelle Ornamente und mythologische Szenen aufweisen. Seit der Renaissance war die Portraitkunst das führende Genre. Eine besondere Rolle fiel dem gebürtigen Deutschen David Klöcker Ehrenstrahl zu, der offizieller Portraitmaler am schwedischen Hof wurde. Sein Werk setzten Alexander Roslin, Sven Ljungberg und Carl Gustaf Pilo fort. Neben der Portraitmalerei entstanden auch Genrebilder von z.B. Nicolas Lafrensen und Pehr Hilleström im Rokokostil. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erwachte das Interesse für die romantische Darstellung der Natur des Landes, sowie für geschichtliche Begebenheiten (Nils Blommér, Carl Johan Fahlcrantz). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen realistische Tendenzen praktisch in alle Genres der Malerei:

  • Landschaftsmalerei von Prinz Eugen
  • Portraits und Genrekompositionen von Anders Zorn
  • Tiermalerei von Bruno Liljefors...

In der Malerei des 20. Jahrhunderts dominierten zunächst unter dem Einfluss von Henri Matisse farbefrohe Kompositionen (Isaac Grünewald, Einar Jolin). Später verbreiten sich zahlreich Strömungen der modernen Malerei, von Surrealismus (Endre Nemes) bis zu Hyperrealismus (Ola Billgren).
 
Die frühesten Zeugnisse der schwedischen Literatur finden sich seit dem 9. Jahrhundert als Inschriften auf Runensteinen, worunter der Runenstein von Rök mit einer Überlieferung eines germanischen Mythos unter Erwähnung des ostgotischen Königs Theoderich als der berühmteste gilt. Nach der Christianisierung des Landes entstand die religiöse Literatur in lateinischer Sprache (Vita Christinae Stumbelensis von Petrus von Dacien, Offenbarungen der Heiligen Birgitta von Peter Olafsson). Zu Beginn des 14. Jahrhunderts verbreiten sich Chroniken (Erikskrönika), Ritterepen (Eufemiavisor) und zahlreiche Balladen. Die ersten Dichtungen in schwedischer Sprache schrieb der Bischof von Strängnäs Thomas Simonsson. Danach folgte die Bibelübersetzung von den Brüdern Olaus und Laurentius Petri. Im 17. Jahrhundert wurde das nationale Theater geboren. Johannes Messenius schrieb Theaterstücke mit mythischen oder geschichtlichen Themen. Zur gleichen Zeit entstand die schwedische Lyrik mit Gedichten von Lars Wivallius. In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts drangen die Ideen der Renaissance in die schwedische Literatur (Georg Stiernhielm, Lars Johansson, Olof Rudbeck der Ältere). Tendenzen des Barocks sind in den Werken von Johan Runius sichtbar. Im 18. Jahrhundert traten die Ideen der Aufklärung in den Vordergrund. Der bedeutendste Vertreter dieser Epoche war Olof von Dalin, der in seinen Artikeln und literarischen Werken die Monarchie und den Lebensstil des Adels scharf kritisierte. Seinem Beispiel folgten Henrik Mörk, Jacob Wallenberg und Johan Henrik Kellgren. Satirisch und witzig waren die Trinklieder von Carl Michael Bellman, die sich noch heute großer Beliebtheit erfreuen und zu den schwedischen Literaturschätzen gerechnet werden. Die schwedische Romantik trat als Gegenbewegung zum strengen Klassizismus und den Illusionen der Aufklärung auf. Besonders engagiert war der Begründer der Zeitschrift Phosphoros Per Daniel Amadeus Atterbom. Weitere bedeutende Vertreter der schwedischen Romantik waren Erik Johan Stagnelius und Esaias Tegnér. Den Übergang zum Realismus markierte der Schriftsteller Carl Jonas Love Almqvist. Fredrika Bremer brachte die Gedanken der Frauenbewegung nach Schweden. Einen zentralen Platz im Realismus nahm der kritische Roman von August Strindberg Das Rote Zimmer ein. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dominierten soziale Themen die schwedische Literatur, nicht selten verfeinert durch psychologische und autobiographische Anteile (Eyvind Johnson, Harry Martinson, Vilhelm Moberg). Die Dichter dagegen wandten sich neuen Formen zu, wie zum Beispiel der Vertreter des literarischen Expressionismus Pär Lagerkvist. Auf einem ganz anderen Gebiet erlangte die schwedische Literatur Weltberühmtheit. Die Kinderbücher Astrid Lindgrens (Pippi Langstrumpf, Meisterdetektiv Blomquist, Wir Kinder aus Bullerbü u.a.) wurden in fast alle europäischen Sprachen übersetzt und mehrmals verfilmt. In neuerer Zeit kommen verstärkt mit den Autoren Henning Mankell, Håkan Nesser und Liza Marklund die „Schwedenkrimis“ in Mode.
 
Die schwedische Musik hat ihre Wurzeln in den Volks- und Tanzmelodien des Mittelalters. Im 16. Jahrhundert stellte der königliche Hof in Stockholm das Zentrum des musikalischen Lebens dar. Die dortige Hofkapelle wurde von bedeutenden Komponisten geleitet, die nachhaltig die schwedische Musik beeinflussten. Besonders der Komponist Johan Helmich Roman erlangte mit seinen barocken Kompositionen und der Organisation der ersten öffentlichen Konzerte große Berühmtheit. Einer seiner Nachfolger war Franz Berwald, der mit seinen Sinfonien als größter schwedischer Komponist der Romantik gilt. Seit der Romantik erwachte von Neuem das Interesse an der Volksmusik, was in den Werken von Adolf Fredrik Lindblad, Ivar Hallström und Andreas Hallén deutlich wird. Zu den bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts zählen Wilhelm Peterson-Berger, Wilhelm Stenhammar, Dag Wirén, Kurt Atterberg und Sven-Erik Bäck. Die 70-er Jahre beeinflusste die erfolgreiche Popgruppe ABBA mit ihren Welthits nachhaltig. Ebenfalls bekannt waren das Popduo Roxette und die Rockband Europe aus Schweden.
 
Im Bereich der Filmkunst brachte Schweden zahlreiche auch international bekannte Regisseure (Victor Sjöström, Alf Sjöberg, Ingmar Bergman, Olle Hellbom) und Schauspieler (Greta Garbo, Ingrid Bergman und Max von Sydow) hervor.

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