Schweiz: Geschichte

Der Osten der heutigen Schweiz wurde im 2. Jahrhundert v.Chr. von den Rätern besiedelt und der Rest des Landes vom keltischen Stamm der Helvetier. Von diesem Volk wurde auch die neulateinische Landesbezeichnung Helvetia abgeleitet, die heute noch häufig verwendet wird. Im 1. Jahrhundert v.Chr. wurden die Gebiete in das Römische Imperium integriert, jedoch zu zwei unterschiedlichen Provinzen: der Westen zu Gallien und der Osten zu Rätien. Während der gesamten Spätantike erfolgte eine tiefgreifende Romanisierung der Bevölkerung.
 
Zu Beginn des 5. Jahrhunderts eroberten die germanischen Stämme der Alemannen den größten Teil der Schweiz und brachten ihre Sprache und Kultur in das Land. Der Westen wurde von den Burgundern erobert, die jedoch keinen bedeutenden Einfluss auf die Kultur ausübten. Im 6. Jahrhundert unterwarfen die Merowinger die Alemannen und Burgunder und integrierten fast das gesamte Gebiet der heutigen Schweiz in das Frankenreich. Bei der Reichsaufteilung unter den Nachkommen Karls des Großen im 9. Jahrhundert wurde die Schweiz ebenfalls zerstückelt: der größte Teil fiel an das deutsche Herzogtum Schwaben und der südwestliche Teil an das Königreich Burgund, das im 11. Jahrhundert als Erbe an den deutschen Kaiser Konrad II. ging und somit vereinten sich beide Teile des Landes im Heiligen Römischen Reich.
 
Die Schwäche der kaiserlichen Macht führte zur Stärkung des Adels. Es bildeten sich zahlreiche weltliche und geistliche Besitztümer, die im 13. Jahrhundert weitgehend durch die Habsburger im Osten und die Grafen von Savoyen im Westen kontrolliert wurden. Nur die drei Urkantone (Uri, Schwyz, Unterwalden) konnten ihre Eigenständigkeit bewahren. Im Kampf gegen die Habsburger vereinten sie im Jahre 1291 ihre Kräfte und schlossen, der Legende nach auf dem Rütli am Vierwaldstättersee, einen Bund, dem sich nach militärischen Erfolgen bis zum Jahre 1352 weitere Kantone (Luzern, Glarus, Zürich, Zug, Bern) anschlossen, was zur Bildung der Alten Eidgenossenschaft führte. Der immer stärker werdende Bund konnte dem militärischen Druck des Heiligen Römischen Reiches im Schwabenkrieg widerstehen und seine faktische Selbständigkeit im Jahre 1499 erlangen. Rechtskräftig wurde der Austritt aus dem Reich aber erst nach dem Westfälischen Frieden im Jahre 1648. Inzwischen bestand die Eidgenossenschaft aus 13 Kantonen und mehreren verbündeten Territorien (Sankt Gallen, Mülhausen, Genf usw.), die durch die 13 Kantone verwaltet wurden. Diese Struktur blieb bis 1798 unverändert, als Frankreich das Land besetzte und die Schaffung der Helvetischen Republik veranlasste. Die neue Staatsform verstärkte die Zentralgewalt und führte die Gleichberechtigung aller Kantone ein. Fünf Jahre später veränderte jedoch Napoleon den Staatsaufbau in der Schweiz und es entstand erneut eine föderative Struktur mit 19 Kantonen, die sich zur Schweizerischen Eidgenossenschaft formierten.
 
Der Wiener Kongress erklärte im Jahre 1815 die Schweiz zu einem souveränen Staat mit der existierenden Regierungsform unter der Voraussetzung der immerwährenden militärischen Neutralität. Von den nunmehr 22 Kantonen stellten im Jahre 1832 die 7 wirtschaftlich stärksten Kantone eine Forderung nach Liberalisierung der Wirtschaft und einer Zentralisierung der Staatsgewalt. Im Gegenzug vereinten sich die 7 wirtschaftlich schwächeren Kantone zum Sonderbund, der die bestehende Staatsordnung erhalten wollte. Diese Konflikte führten zu einem Bürgerkrieg im November 1847. Nach dem Sieg der liberalen Kräfte wurde in der Schweiz eine neue Verfassung ausgearbeitet, die zur Schaffung eines parlamentarischen Bundesstaates führte. Die Liberalisierung der Wirtschaft ermöglichte einen raschen industriellen Aufschwung, der auch während der beiden Weltkriege auf Grund der Neutralität der Schweiz nicht abriss. Heute spielt die Schweiz in Europa eine wirtschaftlich wichtige Rolle, wobei sie sich jedoch internationalen Bündnissen gegenüber eher reserviert verhält.