Slowakei: Kultur

Die Wurzeln der slowakischen Kultur liegen im Mittelalter, als die slawischen Völker in die Gebiete der heutigen Slowakei kamen. Die Anfänge der Schriftsprache gehen auf die Tätigkeit der Brüder Kyrill und Method zurück, die als byzantinische Missionare sehr aktiv in diesen Gebieten waren. Sie entwickelten auch die kyrillische Schrift und schufen die Basis des Altkirchenslawischen. Jedoch wurde die Entstehung der nationalen Literatur durch die vorherrschende Stellung der lateinischen Sprache im Mittelalter und der tschechischen Sprache in der Renaissance verlangsamt. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Basis für die Entwicklung der slowakischen Literatursprache geschaffen. Die ersten Werke in slowakischer Sprache wurden durch die ausgeprägten Aufklärungsgedanken beeinflusst (Juraj Fándly und Jozef Ignác Bajza). Mitte des 19. Jahrhunderts erblühte die Romantik (Jozef Miloslav Hurban, Ludovit Štur), die oft patriotische Inhalte mit geschichtlichen Hintergründen kombinierte (Jan Holly). In den 80-er Jahren setzte sich der Realismus durch (Pavol Országh Hviezdoslav, Martin Kukučín, Svetozár Hurban-Vajanský), der neben patriotischen Ideen auch moralische Themen bearbeitete. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand eine Synthese aus Realismus und modernen europäischen Strömungen, wie zum Beispiel Symbolismus und Impressionismus, die eine Reihe talentierter Dichter hervorbrachte – Janko Jesensky, Ivan Krasko u.a. Der Zusammenschluss der Tschechen und Slowaken zur Tschechoslowakei im Jahre 1918 wurde durch intensive Auseinandersetzungen verschiedener ästhetischer Strömungen begleitet. Neben sozialen Themen des Realismus wurden auch neuromantische Tendenzen und surrealistische Strömungen aufgegriffen. Zu den bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts zählen Jozef Ciger-Hronsky, František Hečko, Ludo Ondrejov, Margita Figuli, Ján Smrek, Vincent Šikula u.a.

Die slowakische Musik entwickelte sich im Mittelalter einerseits aus den slawischen Volksliedern und andererseits aus der geistlichen Musik der katholischen Messen. Bis zum 15. Jahrhundert überwog die Kirchenmusik, deren Entwicklung durch die osmanischen Angriffe verlangsamt wurde. Während der Renaissance erblühte die klassische Musik erneut (Tomáš Lintner). Im 17. Jahrhundert verstärkten sich unter dem Einfluss der italienischen und deutschen Musik barocke Motive (Zachariáš Zarevúcky). In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts intensivierte sich der kulturelle Austausch zwischen der Slowakei und Europa, was sich in den Werken der Komponisten (Anton Zimmermann, Juraj Druzecky und František Xaver Tost) des slowakischen Klassizismus zeigte. Im 19. Jahrhundert bedingt durch die Romantik erwachte das Interesse für die Volksmelodien, die systematisch niedergeschrieben und von professionellen Komponisten neu arrangiert wurden. So zum Beispiel findet man die Volksmelodien in den Werken des Begründers der nationalen Schule Ján Levoslav Bella. Im 20. Jahrhundert vereinten die slowakischen Komponisten die nationalen Traditionen mit modernen europäischen Strömungen. Zu den bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts zählen Mikuláš Schneider-Trnavský, Alexander Moyzes, Eugen Suchoň, Ján Cikker, Vladimir Godar u.a.

Die Malerei in der Slowakei wurde im Mittelalter durch die byzantinische Kultur beeinflusst und zeugt von den kulturellen Verbindungen mit Deutschland, Italien, Tschechien und Ungarn. Sie ist überwiegend durch Fresken (Kathedrale des Heiligen Martin in Spišské Podhradie, St. Jacobskirche in Levoča) und Altarbilder (Elisabeth-Dom in Košice) vertreten. In der Renaissance verbreitete sich die Verschönerung der Stadtpaläste im Stil des Sgraffito (Banská Bystrica). Im 17. Jahrhundert kam das Barock mit Porträtmalereien aus Österreich (Ján Kupecký). Bis ins 19. Jahrhundert blieb die Porträtmalerei sehr bedeutend für die slowakische Kunst (Peter Michal Bohúň), bis sie Ende des Jahrhunderts durch die Genre-Malerei (Dominik Skutecký) und die romantische Landschaftsmalerei (Eugen Lehotský) ergänzt wurde. Die moderne Malerei wurde von Martin Benka begründet, der im Stil des Expressionismus arbeitete. Ebenfalls bedeutende Künstler des slowakischen Modernismus waren Ludovit Fulla, Mikuláš Galanda, Miloš Alexander Bazovský und Janko Alexy.

Die ersten Zeugnisse der slowakischen Architektur sind Kirchen und Burgen im Stil der Romanik, die im 11. / 13. Jahrhundert entstanden: Kirche des heiligen Emmeram in Nitra, Georgs-Rotunde in Skalica, Zipser Burg, Burg Trenčín, Arwaburg, Burg Nitra. Im 14. / 16. Jahrhundert entwickelte sich in der Slowakei die Gotik, die sich hier durch eine Erweiterung der Burgen und einen geordneten Städtebau zeigte. Zu den besten Beispielen der slowakischen Gotik zählen: St. Jacobskirche in Levoča, Elisabeth-Dom in Košice, Burg Strečno, Schloss Altsohl in Zvolen, Altes Rathaus und Martinsdom in Bratislava. Die Renaissance-Architektur (16. / 17. Jahrhundert) zeigt sich überwiegend in öffentlichen Bauten und Wohngebäuden: Rathaus in Levoča, Turmuhr in Banská Bystrica, Rathausplatz in Bardejov. Unter italienischen und österreichischen Einflüssen verbreitete sich im 17. / 18. Jahrhundert die Barock-Architektur in der Slowakei: Johannes der Täufer-Kathedrale in Trnava, Kirche der Elizabethinerinnen, Kapuzinerkirche und Kirche der Barmherzigen Brüder in Bratislava. Das 19. Jahrhundert war durch den Klassizismus geprägt (De Pauli Palast und Primatialpalais in Bratislava), der in der 2. Hälfte des Jahrhunderts durch den Historismus ergänzt wurde (Redoute in Bratislava, Gebäude der Slowakischen Matica in Martin). Am Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete man mehrere Gebäude im Jugendstil. Besonders berühmt ist die Sankt-Elisabeth-Kirche in Bratislava.

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