Slowenien: Kultur

Die Entstehung einer eigenständigen Kultur auf dem Gebiet des heutigen Slowenien geht auf das 8. Jahrhundert zurück.

Die ersten Zeugnisse der Literatur in slowenischen Sprache entstanden im 10. Jahrhundert. Es handelt sich um die liturgischen Texte der Freisinger Denkmäler, für die zunächst die lateinische Schrift verwendet wurde. Erst Mitte des 16. Jahrhunderts entwickelte der protestantische Prediger Primož Trubar die slowenische Schrift und übersetzte den Katechismus und das Neue Testament in Slowenisch. Dies war der Anfang einer stetigen Sprachentwicklung. Bereits um 1580 erschienen die ersten Schulbücher und im Jahre 1584 schrieb Adam Bohoritsch die erste Grammatik der slowenischen Sprache. Im 18. Jahrhundert im Zuge der Aufklärung entstand die weltliche Literatur, nicht zuletzt durch die Tätigkeit von Marko Pohlin, der neben sprachwissenschaftlichen Abhandlungen auch Chroniken verfasste. Seine Arbeit wurde in den so genannten Zois Tischrunden fortgeführt, zu denen u.a. die Dichter Anton Tomaž Linhart und Valentin Vodnik zählten. Im 19. Jahrhundert erwachte die Dichtkunst in Slowenien, die vor allem durch den Romantiker Franz Prescheren vertreten wurde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam der Realismus mit Fran Levstik, Simon Jenko und Anton Aškerc auf. Am Übergang zum 20. Jahrhundert vereinte sich der Realismus mit symbolistischen und impressionistischen Elementen zur Slowenischen Moderne, deren bedeutende Vertreter Ivan Cankar, Oton Župančič, Dragotin Kette und Josip Murn waren. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hielten sich Expressionismus (Anton Podbevšek, Anton Vodnik, Edvard Kocbek und Ivan Pregelj) und Realismus (Fran Saleški Finžgar, Ciril Kosmač) die Waage. Nach dem 2. Weltkrieg dominierte der sozialistische Realismus die literarische Landschaft, wobei bereits in den 50-er Jahren des 20. Jahrhunderts moderne europäische Strömungen ins Land kamen. Zu den bedeutenden Schriftstellern der Moderne in Slowenien zählen Lojze Kovačič, Drago Jančar und Tomaž Šalamun.
 
Die Musik in Slowenien kann auf eine reiche Vergangenheit zurückblicken. Die ältesten musikalischen Zeugnisse gehen auf rituelle Lieder und Tanzmelodien der Slawen zurück, die im 7. Jahrhundert auf den Balkan kamen. Seit dem 8. Jahrhundert prosperierte die geistliche Musik, die von der deutschen kirchlichen Musik beeinflusst wurde. Auch die deutschen Minnesänger kamen im Hochmittelalter bis nach Slowenien. Die Entstehung der professionellen Musik fand im 15. Jahrhundert statt, als die ersten Gesangsschulen und Kirchenchöre gegründet wurden. Während der Renaissance erweiterte sich die musikalische Kunst um die weltliche Musik. So schuf z.B. Jacobus Gallus sowohl kirchliche Messen, als auch weltliche Madrigale. Einen besonderen Aufschwung erlebte die slowenische Musik im 17. Jahrhundert, nicht zuletzt durch den Einfluss aus Italien und Österreich. Herausragende Komponisten dieser Zeit waren Isaac Posch und Janez Krstnik Dolar. Im 18. Jahrhundert entstand die erste slowenische Oper von Jakob Frančišek Zupan. Seit dem 19. Jahrhundert entwickelte sich eine nationale musikalische Schule, nicht zuletzt dank der Tätigkeit der Komponisten Franjo Vilhar Kalski, Gregor Rihar, Davorin Jenko und Benjamin Ipavec. Im 20. Jahrhundert hielten in Slowenien moderne musikalische Strömungen Einzug. Zu den bedeutenden Komponisten dieser Zeit zählen Vinko Globokar, Slavko Osterc, Uros Rojko, Igor Štuhec und Ivo Petrić.
 
Die slowenische Malerei entstand im Mittelalter und diente überwiegend zur Dekoration von Kirchengebäuden. Herausragende Maler dieser Epoche waren Johannes Aquila (Kirche St. Martin in Martjanci) und Janez Ljubljanski (Kirche St. Nikolaus in Visoko). Der dekorative Charakter der Malerei blieb bis ins 19. Jahrhundert erhalten, obwohl bereits während der Renaissance die weltliche Kunst Einzug hielt und während des Barocks aufblühte (Franc Jelovšek, Fortunat Bergant). Im 19. Jahrhundert orientierten sich die Maler zunächst an dem französischen Klassizismus (Franc Kavčič) und später an dem Wiener Biedermeier (Matevž Langus, Anton Karinger). Ende des Jahrhunderts dominierte der Realismus die Malerei Sloweniens (Jurij und Janez Šubic und Anton Ažbe), der Anfang des 20. Jahrhunderts in den Impressionismus (Ivan Grohar, Matej Sternen und Matija Jama) überging. Die moderne Malerei Sloweniens zeichnet sich durch einen außergewöhnlichen Reichtum an Stilen und Genres aus (Gabrijel Stupica, Janez Bernik und Božidar Jakac).
 
Die Architektur Sloweniens konnte in ihrer Entwicklung auf antike Vorbilder zurückgreifen. Die Städte Ljubljana, Celje und Ptuj waren bereits bedeutende Siedlungen innerhalb des römischen Imperiums. Aus dieser Epoche ist leider fast nichts erhalten geblieben. Etwas mehr Zeugnisse stammen aus der Romanik, wie die Elias-Rotunde in Koper, die Johannes-Kirche in Ribčev Laz oder die Dreifaltigkeitskirche in Hrastovlje. Ebenfalls in dieser Zeit wurde die imposante Burg Podsreda in Kozje errichtet. In den folgenden Stilepochen wurden jedoch die meisten romanischen Bauwerke stark umgebaut. Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür ist das Kloster Sittich bei Ljubljana, dessen Gründung auf das Jahr 1136 zurück geht und mehrere Baustile von Romanik bis Barock vereint. Die Gotik hielt im 13. Jahrhundert Einzug in Slowenien und hinterließ zahlreiche Spuren, wie die Kathedrale St. Daniel in Celje, die Muttergottes Kirche in Ptujska Gora und der Prätorenpalast in Koper. Die Renaissance-Architektur beschäftigte sich in Slowenien überwiegend mit dem Umbau von Burgen in beeindruckende Wohnstätten oder dem Errichten von prunkvollen Schlössern. Ein Beispiel hierfür ist das Grafei in Celje. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich das Barock zum dominierenden Stil in der Architektur, das auf Grund der guten wirtschaftlichen Lage von einer regen Bautätigkeit begleitet wurde (St.-Nikolai-Dom in Ljubljana, Schloss in Dornava, u.a.). Auch der Jugendstil beeinflusste nachhaltig die slowenische Architektur, wobei sich die meisten Zeugnisse in der Hauptstadt Ljubljana befinden, wie z.B. die Drachenbrücke oder das Urbanc Haus. Seit den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts wirkte Jože Plečnik, der zu den bedeutendsten Architekten Sloweniens zählt. Er erbaute u.a. die National- und Universitätsbibliothek, sowie die „Drei Brücken“ in Ljubljana, die als Wahrzeichen der Hauptstadt gilt.

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