Spanien: Geschichte

Das Gebiet des heutigen Spaniens, wie zahlreiche archäologische Funde u.a. in Atapuerca und Santillana del Mar, sowie bei Ronda und Nerja belegen, war bereits in der vorgeschichtlichen Periode relativ dicht besiedelt. Seit dem 5. Jahrtausend v.Chr. bewohnten Iberer die Halbinsel, von denen sie auch ihren Namen bekam. Im 6. Jahrhundert v.Chr. kamen die Kelten auf die Iberische Halbinsel und bildeten den zweiten bedeutenden Volksstamm. Außerdem wurde die Entwicklung dieser Gebiete auf Grund der Kolonisierung durch die Phönizier, Griechen und vor allem seit dem 5. Jahrhundert v.Chr. durch die Karthager beeinflusst. Der Sieg der römischen Armee über die Karthager im 2. Punischen Krieg im Jahre 201 v.Chr. führte zur Romanisierung der Halbinsel und zur Schaffung der ersten römischen Provinz.
 
Im Frühmittelalter drangen die Sweben, Alanen, Wandalen und dann die Westgoten in das Land. Das ausgedehnte Königreich der Westgoten, das neben Spanien auch große Teile Südfrankreichs umfasste, wurde durch Chlodwig I. beschnitten. Die Westgoten zogen sich nach Spanien zurück und gründeten ihr Königreich mit Hauptstadt Toledo. Die Zusammenschluss der spanisch-römischen Bevölkerung und der Westgoten, sowie der Übergang zum Katholizismus garantierten eine friedliche Entwicklung des Landes für mehrere Jahrhunderte. Zu Beginn des 8. Jahrhunderts wurde das Westgotenreich durch Thronstreitigkeiten geschwächt, was die Mauren für ihre Zwecke nutzten und innerhalb kürzester Zeit fast das ganze Gebiet unter ihre Kontrolle brachten. Nach zahlreichen Machtkämpfen und niedergeschlagenen Aufständen erreiche Spanien im 10. Jahrhundert einen bedeutenden wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Im 11. Jahrhundert zerfiel jedoch das Land in mehrere unabhängige muslimische Staaten, von denen sich lediglich Granada bis 1492 gegen die christliche Reconquista (Rückeroberung) behaupten konnte. Eine entscheidende Rolle bei diesem Krieg spielte die Vereinigung zweier Königshäuser, die durch Personalunion von Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragonien die Grundlagen für die Schaffung eines zentralistischen spanischen Staates legte. In ihrem Kampf gegen die Mauren wurde das Königspaar durch die 1480 eingeführte Inquisition unterstützt. Dieses Instrument wurde später auch gegen den Adel eingesetzt, um seine Macht zu schwächen. Außerdem wurde die nicht-christliche Bevölkerung in großem Umfang verfolgt und des Landes verwiesen, was negative Auswirkungen auf Wirtschaft und Kultur hatte. Als positiv stellte sich jedoch die finanzielle Förderung der Expedition von Christoph Kolumbus heraus. Seine Entdeckung Amerikas war entscheidend für die spätere Expansion Spaniens. Mitte des 16. Jahrhunderts besaß Spanien große Gebiete in Amerika, Asien, Afrika und Europa.
 
Die aufstrebende Großmacht England setzte sich der Monopolstellung Spaniens erfolgreich entgegen. Der englische Sieg gegen die spanische Armada im Jahre 1588 brachte Spanien an den Rand des Ruins und schwächte seine politische Position. Die innenpolitische Situation verschlimmerte sich zusätzlich durch Streitigkeiten um den spanischen Thron, die schließlich zum Spanischen Erbfolgekrieg 1701 – 1714 führten. Nach einer Stabilisierung unter Karl III. durchlief das Land im 19. Jahrhundert eine turbulente Periode: die Napoleonischen Kriege (1807 – 1814), Unabhängigkeitskampf der amerikanischen Kolonien (1810 – 1826), mehrere Revolutionen und Aufstände, der Spanisch-Amerikanische Krieg 1898. Der letzte Krieg endete mit der entgültigen Niederlage Spaniens und dem Verlust seiner Kolonien Kuba, Puerto Rico, der Insel Guam und der Philippinen.
 
Die Krise der spanischen Monarchie und die Verschärfung der innenpolitischen Situation führten zur monarchistischen Militärdiktatur (1923 – 1929) unter General Primo de Rivera, der jedoch die Erhaltung der Monarchie nicht sichern konnte. Am 14. April 1931 wurde in Spanien die Republik ausgerufen. Nach einem von Francisco Franco initiierten Bürgerkrieg im Jahre 1936 wurde eine Militärdiktatur in Spanien eingerichtet, die alle demokratischen Freiheiten unterdrückte und die ganze Macht bei Franco konzentrierte. Es gab jedoch zunehmend Kritik und politischen Widerstand im Land, was Franco zur mäßigen Liberalisierung zwang. Als Nachfolgeregierung sah Franco die Monarchie vor und bald nach seinem Tod im Jahre 1975 wurde der designierte Juan Carlos zum König proklamiert. Der König und die demokratisch gewählten Regierungen unterstützten die Liberalisierung des Landes. Die demokratischen Veränderungen in Spanien werden auch im Beitritt zur EU sichtbar.