Türkei: Geschichte

Die Gebiete Süd-Ost Anatoliens waren in der vorgeschichtlichen Periode ein Teil des Fruchtbaren Halbmondes, wo Ackerbau und Viehzucht entstanden. In der Frühgeschichte gründeten die Griechen zahlreiche Kolonien an der Schwarzmeer-Küste und am Ägäischen Meer, u.a. Troja. Auf dem größten Teil des Territoriums der heutigen Türkei etablierte sich das hethitische Großreich, das vom 19. bis zum 12. Jahrhundert v.Chr. bestand. Diesem Reich folgten viele weitere Staatsgebilde, die zum Teil gleichzeitig existierten: Phrygisches und Urartäisches Reich (8. Jh. v.Chr.), Lydisches Reich (7. Jh. v.Chr.), Perserreich (6. Jh. v.Chr.), Imperium von Alexander dem Großen (4. Jh. v.Chr.), Pergamenisches Reich (3. Jh. v.Chr.), Römisches Imperium (2. Jh. v.Chr.). Nach der Spaltung des Römischen Imperiums im 4. Jahrhundert wurden die Gebiete der heutigen Türkei in das Byzantinische Reich integriert, das bis 1453 bestand.

Der größte Teil der heutigen Türkei blieb bis zum 11. Jahrhundert unter byzantinischer Herrschaft, bis die Seldschuken in das Land drangen und ihr eigenes Reich gründeten, das nach Osman I. als Osmanisches Reich in die Geschichte einging. Im Laufe der Zeit erweiterten die Osmanen ihr Reich auf bedeutende Teile von Asien, Nordafrika und Europa. Seine größte Ausdehnung erreichte das Imperium im 17. Jahrhundert, wurde jedoch durch das erstarkende Russland in mehreren militärischen Auseinandersetzungen geschmälert. Besonders folgenreich erwies sich der Krimkrieg, der nicht nur enorme Gebietsverluste, sondern auch den finanziellen Bankrott mit sich brachte. Die Situation verschärfte sich während des 1. Weltkrieges, als die Türkei an der Seite Deutschlands eine verheerende Niederlage erlitt. Die Alliierten besetzen bedeutende Teile des Landes und das Osmanische Reich reduzierte sich auf Inneranatolien.

Im Jahre 1919 organisierte Mustafa Kemal Atatürk den Widerstand gegen die Aufsplitterung des Landes. Nach grausamen Kriegen kam es im Jahr 1923 zum Vertrag von Lausanne, der die heute noch gültigen Staatsgrenzen der Türkei festlegte. Den außenpolitischen Veränderungen folgte die innenpolitische Umstrukturierung des Landes und am 29. Oktober 1923 wurde die Republik Türkei ausgerufen.

Während des 2. Weltkrieges behielt die Türkei ihre Neutralität, bis sie im Februar 1945 Deutschland und Japan den Krieg erklärte. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Einparteiensystem abgeschafft, jedoch auf Grund harter politischer Auseinandersetzungen stand die Türkei mehrmals am Rande eines Zivilkrieges. In diesen Situationen schaltete sich die Armee ein und übernahm 1960, 1971 und 1980 die Macht. Nach der Stabilisierung der Lage wurde eine Zivilregierung eingesetzt. Seit dieser Zeit wurden in der Türkei eine Reihe wichtiger Reformen durchgeführt, die die türkische Politik näher an die Europäische Union führten.