Türkei: Kultur

Die türkische Kultur kann auf ein reiches Erbe zurückblicken. Zahlreiche europäische und asiatische Kulturen haben ihre Spuren in der Türkei hinterlassen. Als die türkischen Völker im 11. Jahrhundert in diese Gebiete kamen, brachten sie ihre eigenständige Kultur mit, die in der Literatur überwiegend auf mündlich überlieferten Sagen (Ergenekon-Legende, Dede Korkut...) basierte. Die mündliche Komponente spielte auch in den kommenden Jahrhunderten eine herausragende Rolle für die türkische Literaturentwicklung. Zu den beliebtesten Genres gehörten Märchen und Anekdoten (Nasreddin Hoca), mystische Dichtung (Yunus Emre, Fuzuli) und Reiseberichte (Evliya Çelebi). Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich die schriftliche Literatur als eigenständiges Genre. Neben der traditionell populären Dichtkunst (Tevfik Fikret ) entwickelte sich auch die Prosa. Im Jahre 1872 erschien der erste Roman der türkischen Literatur Die Liebe von Tal’at und Fitnat von Sami Frashëri. Einen besonderen Aufschwung bekam die Literaturentwicklung nach der Einführung der lateinischen Schrift im Jahre 1928. Zu den herausragenden Autoren der türkischen Moderne zählen Nazım Hikmet, Orhan Veli Kanık, Fakir Baykurt, Sabahattin Ali, Yaşar Kemal und der Nobelpreisträger Orhan Pamuk.
 
Die traditionelle türkische Musik zeigt die Nähe zu anderen mittelasiatischen Völkern und vereinigt persisch-arabische Einflüsse. Neben der türkischen Volksmusik entwickelte sich seit dem 14. Jahrhundert die professionelle Kunstmusik (Hammamizade İsmail Dede Efendi), die in Europa große Beachtung fand. Vor allem die Militärkapellen der Osmanen brachten neue musikalische Impulse. Die in Europa populären Genres, wie Sinfonie, Oper oder Ballett, bekamen in der Türkei bis zur 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts keine nennenswerte Verbreitung. Die modernen türkischen Komponisten wenden sich jedoch immer mehr diesen Genres zu. Besonders interessant sind die Werke von Ahmed Adnan Saygun, Cemal Reşit Rey, Ulvi Cemal Erkin und Ferid Alnar.
 
Die türkische Malerei stand lange Zeit in der islamischen Tradition und war auf ornamentale Motive und Kalligraphie begrenzt. Während der osmanischen Periode verbreitete sich zunehmend die stilisierte Miniatur (Sinan Bey, Nigâri, Nakkaş Osman u.a.). Die Tafelmalerei entstand im 19. Jahrhundert. Osman Hamdi Bey, der auch lange Zeit in Paris studierte, gilt als Begründer der nationalen Schule. Ihm folgten Osman Asaf, Tekezâde Sait, Bedri Rahmi Eyüboğlu und Ömer Adil.
 
Die türkische Architektur entwickelte sich seit dem 11. Jahrhundert, als die Seldschuken ins Land kamen, obwohl bereits frühgeschichtliche Zivilisationen in diesen Gebieten zahlreiche Zeugnisse hinterließen. Zu den herausragenden Beispielen zählen die Reste der legendären Stadt Troja, der griechische Tempel der Artemis in Ephesos, die Hethiter-Hauptstadt Hattuscha, die lykische Stadt Xanthos, das persische Mausoleum von Halikarnassos, die Hauptkirche des Byzantinischen Reiches Hagia Sophia und viele andere. Die Seldschuken brachten ihrerseits iranische Bauweisen nach Anatolien. Ihre Bauwerke entstanden meist aus Quadersteinen und zeichneten sich durch eine strenge und harmonische Architektur aus. Neben Befestigungsanlagen schufen sie Paläste, Moscheen und Bäder (Erzurum, Konya, Alanya, Kayseri, Sivas). Seit Ende des 15. Jahrhunderts setzten sich türkische Baumeister mit byzantinischen Vorbildern auseinander und verwendeten das Kuppelgewölbe nicht nur in der Sakralarchitektur, sondern auch in öffentlichen Gebäuden und Palästen. Die Architektur der osmanischen Periode zeigt eine komplexe räumliche Gestaltung (Bursa, Edirne, Divriği, Sivas, Safranbolu). Besonders reich an osmanischen Bauwerken ist die türkische Hauptstadt Istanbul mit Topkapı-Palast, Beyazıt-Moschee, Fatih-Moschee, Süleymaniye-Moschee und Sultan-Ahmed-Moschee. Seit dem 18. Jahrhundert kamen europäische Einflüsse in die türkische Architektur, die durch die Verweltlichung der Politik im 20. Jahrhundert verstärkt wurden. Die sakrale Architektur verlor ihre besondere Stellung und in der Bauplanung nahmen Hotels, Büros und öffentliche Gebäude einen breiten Raum ein. Diese Bauwerke zeichnen sich durch Funktionalismus und Einfachheit der Form aus (Universität und Hilton Hotel in Istanbul, Mausoleum von Mustafa Kemal Atatürk in Ankara...)

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