Tschechien: Geschichte

Das Gebiet des heutigen Tschechiens wurde seit der vorgeschichtlichen Epoche besiedelt. Während der Eisenzeit siedelten hier die keltischen Stämme der Boier, die zu Beginn der Völkerwanderung von dem germanischen Volk der Markomannen verdrängt wurden. Im 6. Jahrhundert kamen westslawische Stämme in das Gebiet, wobei die Tschechen dominierten. Unter der Führung des fränkischen Kaufmanns Samo bildeten sie im 8. Jahrhundert einen Stammesbund, der jedoch nicht lange existierte. Nach dem Tod Samos zerfiel er unter dem Druck der Awaren.
 
Im 9. und 10. Jahrhundert gehörte Tschechien zu dem Großmährischen Reich. Im Jahre 863 nahm das Reich das Christentum an. Dabei waren die Brüder Kyrill und Method als byzantinische Missionare sehr aktiv, die auch die kyrillische Schrift entwickelten und die Basis des Altkirchenslawischen schufen. Im 10. Jahrhundert erreichte der tschechische Fürst Wenzel die Schaffung eines Herzogtums, das jedoch unter den Einfluss des Heiligen Römischen Reiches fiel. Ottokar I. Premysl setzte die Erhebung seines Landes zum erblichen Königreich durch. Nach der Ermordung des letzten Königs der Premyslidendynastie Wenzel III. im Jahre 1306 kam die Krone an das Haus Luxemburg, das bis zum Jahre 1437 in Tschechien herrschte. Später wechselten die Habsburger und die Jagiellonen häufig den Thron.
 
Im Jahre 1620 verlor Tschechien seine Unabhängigkeit und für 300 weitere Jahre wurde es zu einer österreichischen Provinz. Nach der Niederlage im 1. Weltkrieg wurde das Österreichische Kaiserreich zersplittert und am 28. Oktober 1918 rief Tschechien zusammen mit der Slowakei die Tschechoslowakische Republik aus. Diese Republik bestand bis zum Jahre 1938, als nach dem Münchner Abkommen das Sudetenland an Deutschland fiel. Ein Jahr später okkupierte das Deutsche Reich die tschechischen Gebiete und schuf das Protektorat Böhmen und Mähren.
 
Nach der Befreiung wurde die Tschechoslowakei wieder errichtet. Im Jahre 1948 kamen die Kommunisten an die Macht und 20 Jahre später bewirkten die Autonomiebestrebungen der Slowakei während des Prager Frühlings die Umwandlung in eine Föderation der Tschechischen Sozialistischen Republik und der Slowakischen Sozialistischen Republik, ohne jedoch die notwendige Demokratisierung der Gesellschaft vorzunehmen. Dies gelang erst nach der Samtenen Revolution im Jahre 1989, in deren Folge 1992 die Trennung der Tschechoslowakei in zwei unabhängige Staaten resultierte. Am 1. Januar 1993 wurde die Tschechische Republik als souveräner Staat ausgerufen.