Ukraine: Geschichte

Das nationale Territorium der Ukraine ist erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden, jedoch lassen sich erste Spuren vorgeschichtlicher Kulturen auf das 4. bis 3. Jahrtausend v.Chr. datieren. Die berühmteste Kultur dieser Zeit bekam ihren Namen nach dem Fundort in Tripolje bei Kiew. Sie stellt eine Weiterentwicklung der Linienbandkeramik-Kultur dar und ist durch bemalte Keramiken, Tonstatuetten und Kupfergegenstände gekennzeichnet.
 
Mitte des 2. Jahrtausends v.Chr. treten nomadische Völker auf dem Gebiet der heutigen Ukraine in Erscheinung. Die Kimmerer bewohnten im 9. Jahrhundert v.Chr. das Territorium, wurden jedoch im 7. Jahrhundert v.Chr. von den Skythen verdrängt. Ungefähr zur gleichen Zeit gründeten Griechen die ersten Kolonien im Norden der Schwarzmeerküste, wie z.B. Pantikapaion (Kertsch), Chersones (Cherson), Olbia u.a. Die griechischen Kolonien unterhielten intensive Handelsbeziehungen mit den benachbarten Skythen, die das erste Königreich auf ukrainischem Boden schufen. Zu Beginn des 2. Jahrhunderts v.Chr. wurden die Skythen von den Sarmaten verdrängt.
 
In der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts besiedelten die Goten die Gebiete. Sie gründeten das zweite Königreich auf ukrainischem Boden. Im Jahre 375 überfielen die Hunnen das Land. Ihre Präsenz währte jedoch nicht lange, da ihr Staat nach mehreren Niederlagen gegen Rom geschwächt war und zerfiel. Nach dem Zusammenbruch der hunnischen Herrschaft kamen die slawischen Anten in die Gebiete. Seit der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts gerieten die süd-östlichen Gebiete in den Einflussbereich der Chasaren.
 
Im 9. Jahrhundert entstand am mittleren Dnepr der slawische Staat, Kiewer Rus. Die Kiewer Fürsten aus der Dynastie der Rurikiden setzten sich erfolgreich gegen die Chasaren durch und verdrängten sie schließlich aus ihren Territorien. Das Reich expandierte stetig und umfasste zu seiner Blütezeit die Gebiete der heutigen Ukraine, Weißrusslands und den größten Teil des europäischen Russlands. Im Jahre 988 trat der Kiewer Großfürst Wladimir zum griechisch-orthodoxen Christentum über und erklärte es zur Staatsreligion. Im 13. Jahrhundert eroberte die mongolische Goldene Horde fast das ganze Reich und zerstörte Kiew. Danach verschob sich das Machtzentrum in Gebiete des heutigen Russland. Die Ukraine wurde zwischen Polen und Litauen aufgeteilt. Nach deren Zusammenschluss im Jahre 1569 fiel der größte Teil der Ukraine unter polnische Herrschaft. Um dieser Herrschaft zu entgehen, flohen viele Menschen in die südlichen Grenzgebiete entlang des Dnepr, wo sich im Spätmittelalter ein Zentrum der Kosaken-Bewegung befand. Die Kosaken wurden zur treibenden Kraft im Kampf gegen Polen und ihr Anführer Bohdan Chmelnyzki schloss im Namen der ganzen Ukraine ein Bündnis mit Russland, um der polnischen Herrschaft zu entgehen. Dies führte im Jahre 1654 zum Russisch-Polnischen Krieg, der im Jahre 1667 mit der Aufteilung der Ukraine zwischen Russland und Polen beendet wurde. Russland fielen die Gebiete östlich des Dnepr und Polen bekam die westlichen Gebiete. Die russischen Territorien wurden de facto weiterhin von den Kosaken regiert, die jede Möglichkeit nutzten, ihre Selbständigkeit auszubauen. Um dies zu verhindern, löste die russische Kaiserin Katharina die Große in den im Jahre 1775 den Kosakenstaat auf. Russland wandte sich nun seinen Expansionsplänen zu. Durch Siege im Russisch-Osmanischer Krieg wurde die Krim und die Küste des Asowschen Meeres Russland zugesprochen. Durch die Aufteilung Polens zwischen Preußen, Österreich und Russland, gelangen praktisch alle Gebiete der heutigen Ukraine unter russische Herrschaft, mit Ausnahme von Galizien, das zu Österreich gehörte. Daran änderte sich bis 1917 nichts.
 
Nach der Oktoberrevolution in Russland wurde die Ukraine zunächst eine Teilrepublik innerhalb Russlands und am 25. Januar 1918 erklärte sie ihre Unabhängigkeit. Danach folgten turbulente Jahre mit mehreren Aufständen, Besatzungen und Aufteilungen. Erst im Jahre 1922 konnte sich die Situation stabilisieren, als die Ukraine als Gründungsmitglied der Sowjetunion unter dem Namen Ukrainische Sowjetische Sozialistische Republik (USSR) beitrat.
 
Kurz vor dem 2. Weltkrieg erfolgte eine Neuaufteilung Osteuropas, wobei nach dem Hitler-Stalin-Pakt die ukrainischen Gebiete deutlich erweitert wurden. Während des Krieges wurde das gesamte Territorium von Deutschland besetzt. Die vier Jahre der Besatzungszeit waren eine leidvolle Periode in der ukrainischen Geschichte. Tausende Menschen wurden ermordet und fast alle Betriebe zerstört. Nach der Befreiung im Jahre 1944 leistete die Sowjetische Regierung Aufbauhilfe im wirtschaftlich stärkeren Osten der Ukraine, was dazu führte, dass auch zahlreiche andere Völker der Sowjetunion in diese Gebiete kamen. Dies ermöglichte einen schnellen Wiederaufbau der ukrainischen Wirtschaft, bedingte aber andererseits eine Russifizierung der Kultur.
 
Nach der Auflösung der Sowjetunion erklärte die Ukraine am 24. August 1991 ihre Unabhängigkeit. Die ersten Jahre der Selbständigkeit waren durch eine tiefe wirtschaftliche und politische Krise gekennzeichnet. Nach der „Orangenen Revolution“ im Herbst 2004 erhielten die demokratischen Kräfte die Macht, die jedoch durch die Uneinigkeit der unterschiedlichen Parteien und die Inkonsequenz ihrer Reformen nicht die gewünschten Resultate erzielen konnten.