Ungarn: Geschichte

Das Gebiet des heutigen Ungarn wurde bereits in der Steinzeit bewohnt, jedoch die ersten Siedlungen entstanden erst im 1. Jahrhundert v.Chr. mit den Kelten. Im 2. Jahrhundert unterwarfen die Römer diese Gebiete und integrierten sie in die Provinzen Pannonien und Dakien. Während der Völkerwanderung kamen nacheinander Germanen, Hunnen, Awaren und Slawen.
 
Im 9. Jahrhundert erschütterten die Raubzüge der finnougrischen Stämme unter dem ersten ungarischen Großfürsten Arpad Zentral- und Südeuropa. Ihr Vordringen nach Westen wurde durch Otto I. in der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg gestoppt. Nach dieser Niederlage kehrten sie in die Gebiete des heutigen Ungarn zurück und wurden sesshaft. Nach der Christianisierung des Landes und dem Aufbau der Staatsverwaltung wurde Ungarn auch von benachbarten Ländern als ein Königreich anerkannt. An Weihnachten 1000 wurde Stephan I. durch den päpstlichen Legaten zum ersten König Ungarns gekrönt. Nach seinem Tod wurde das Land von zahlreichen Aufständen erschüttert, die das Land innen- und außenpolitisch schwächten. Erst am Ende des 11. Jahrhunderts gelang es den Königen Ladislaus I. und Koloman die Situation zu stabilisieren. Bis zu den mongolischen Überfällen im Jahre 1241 entwickelte sich Ungarn trotz der Machtkämpfe zwischen dem König und dem Adel fort und konnte seine Gebiete deutlich erweitern. Außer des Stammgebietes gehörten auch die Slowakei, die Karpatenukraine, die Vojvodina, das Burgenland und Teile von Kroatien zu Ungarn.

Der Tod des letzten Königs der Arpaden-Dynastie Andreas III. im Jahre 1301 führte zu erbitterten Kämpfen unterschiedlicher Herrscherhäuser (Přemysliden, Wittelsbacher, Anjou, Luxemburg, Habsburg, Hunyadi, Jagiellonen) um den ungarischen Thron. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts kam es sogar zur gleichzeitigen Ausrufung unterschiedlicher Könige. Im Osten setzte sich das ungarische Geschlecht der Zápolya durch und im Westen die Habsburger. Dieser Zustand dauerte 150 Jahre. Danach konnten sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Habsburger als Herrschergeschlecht behaupten.
 
Trotz Bestrebungen nach Autonomie konnte Ungarn erst nach dem 1. Weltkrieg ihre Unabhängigkeit von dem geschwächten Österreich erlangen. Am 16. November 1918 wurde die Demokratische Republik Ungarn ausgerufen. Die neue Regierung hatte jedoch einen schwierigen Start. Als Verlierer des 1. Weltkrieges musste Ungarn 2/3 seines Staatsgebietes abgeben und Reparationszahlungen an die Siegermächte leisten. Die linken Mächte im Land konnten die Unzufriedenheit in der Bevölkerung für sich nutzen und stürzten die Regierung. Im März 1919 proklamierten die Kommunisten unter Bela Kun eine Räterepublik, die jedoch nur 133 Tage existierte. Nach der Auflösung der Räterepublik kam in Ungarn ein reaktionäres Regime an die Macht. Formal wurde die Monarchie wiederhergestellt, jedoch kein König zugelassen. Die Regentschaft im Land fiel an Miklos Horthy, der in Ungarn eine nationalistische Diktatur errichtete und sich der faschistischen Achse Berlin-Rom anschloss.
 
Auch im 2. Weltkrieg trat Ungarn an der Seite der Achsenmächte an, unterbreitete jedoch nach Verlusten im Krieg gegen die Sowjetunion ein Friedensangebot, woraufhin Deutschland Ungarn besetzte. Am 4. April 1945 endete für Ungarn der 2. Weltkrieg mit dem Einmarsch der Sowjetischen Armee, die eine provisorische Regierung einsetzte. In den Nachkriegsjahren stärkten die Kommunisten ihre Macht und gewannen die Wahl im Mai 1949. Im August des selben Jahres wurde Ungarn zur Volksrepublik erklärt. Die Widerstände gegen die repressive Innenpolitik der kommunistischen Regierung führten zu einem Volksaufstand im Jahre 1956, der nur mit Hilfe der Sowjetischen Armee niedergeschlagen werden konnte. Dem neuem Regierungschef Janos Kadar gelang es die Situation zu stabilisieren, in dem er trotz seiner Treue zu Moskau gesellschaftliche Liberalisierungen in Ungarn zuließ. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion strebte Ungarn eine Demokratisierung des Landes an und näherte sich Westeuropa. Am 1. Mai 2004 wurde Ungarn in die EU aufgenommen.

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