Vorgeschichte

Die menschliche Besiedlung Europas verlief in der Steinzeit wahrscheinlich von Afrika über Asien. Anders als in Afrika, wo es auf Grund der günstigen klimatischen Bedingungen das ganze Jahr über genügend pflanzliche Nahrung für die ersten Menschen gab, zwangen die kalten winterlichen Temperaturen im europäischen Raum die Menschen dazu, eine andere Nahrungsquelle zu suchen. Zahlreiche Tierknochen, primitive Jagdutensilien und Felsenmalereien mit Tierdarstellungen zeugen von der Bedeutung der Jagd als wichtigster Nahrungsquelle in dieser Zeit.
 
Während der Altsteinzeit (Paläolithikum: 2,5 - 10000 Jahre v. Chr.) lernten die Menschen das Feuer zu beherrschen und konnten einfache Werkzeuge aus Stein herstellen. Es waren zuerst glatte Steine von 7 bis 10 cm Größe, die an einer Seite abgeschlagen wurden, um eine scharfe Kante zu erhalten. Diese so genannten Geröllgeräte wurden für das Schneiden von Fleisch oder das Schaben von Holz benutzt. Später stellten die Menschen komplexere Geräte her. Zu denen zählen Faustkeil, Messer oder sogar Nadel, um aus mehreren Fellen einfache Kleider zu nähen. Wenn bei dem Wechsel des Siedlungsgebietes die Sippe sich in einer Landschaft ohne natürliche Zufluchtsmöglichkeiten befand, wurden aus Holz oder Knochen größerer Tiere Zelte errichtet. Zu dieser Periode der europäischen Geschichte gehört auch die Entstehung der ersten Formen der Religion und der Künste, die wahrscheinlich sehr eng verbunden waren.
 
Die ältesten Spuren der menschlichen Besiedlung auf europäischem Boden wurden in Georgien bei Dmanisi nahe Tiflis Ende des 20. Jahrhunderts entdeckt. Dieser Fund erlaubte die ungefähre Datierung der menschlichen Präsenz auf ca. 1,8 Mio. Jahre vor unserer Zeit. Weitere Spuren der Besiedlung Europas der Altsteinzeit wurden an zahlreichen Orten von der Iberischen Halbinsel bis Nordrussland entdeckt: bei Atapuerca in Spanien (vor 900000 – 780000 Jahren), in Mauer bei Heidelberg in Deutschland (vor 600000 Jahren), in Boxgrove in England (vor 500000 Jahren), in der Höhle Caune de l'Arago in Frankreich (vor 450000 Jahren), in Petralona in Griechenland (vor 200000 Jahren) u.a.
 
Während der Mittelsteinzeit (Mesolithikum: 10000 – 6000 Jahre v. Chr.) fand eine weitere Entwicklung statt, die eng mit der Veränderung der klimatischen Bedingungen verbunden war. In dieser Zeit erwärmten sich die europäischen Gebiete zunehmend und die Schmelzung der Gletscher führte zur Entsehung zahlreicher Flüsse und Seen, sowie der Freilegung von größeren Flächen, die schnell unter der warmen Sonne mit üppiger Vegetation bedeckt wurden. Die Renntierherden gingen nach Norden und ein Teil der Menschen folgte ihnen. Die Menschengruppen, die in den Gebieten Zentraleuropas blieben, sollten sich an die veränderten Bedingungen anpassen. Für die Jagd auf  Waldtiere waren Bogen und Pfeile hilfreich, für die Fischerei stellte man neue Utensilien her usw. Ebenfalls in dieser Zeit wurden die ersten Tiere domestiziert (Hund, Ziege u.a.). Die Menschen blieben längere Zeit an einem Platz.
 
Die dauerhafte Sesshaftigkeit wurde jedoch erst durch die Einführung von Ackerbau und Viehzucht während der Jungsteinzeit (Neolithikum: 5000 – 2000 v. Chr.) ermöglicht. Es entstanden Dörfer und es entwickelten sich die Industrie (Kupfer-, Silber-, Goldgewinnung) und die Künste (Keramik, Plastiken, Megalithen). Um 2000 v. Chr. erreichten einige Völker im Mittelmeerraum eine höhere Stufe in der Entwicklung, mit komplizierten gesellschaftlichen Strukturen, Verwendung von Bronze als wichtigstem Rohmaterial, florierender Landwirtschaft und nicht zuletzt mit einer schriftlichen Sprache, was erlaubt sie zu den ersten frühgeschichtlichen Hochkulturen zu zählen.

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