Weißrussland: Geschichte

In der Eisenzeit wurden die Gebiete des heutigen Weißrussland (Belarus) durch Baltische Völker besiedelt. Seit dem 5. Jahrhundert v.Chr. kamen die ersten slawischen Völker, die dann im 9. Jahrhundert die Hauptgruppe der Bevölkerung darstellten.
 
Zu Beginn des 10. Jahrhunderts wurden diese Gebiete in das Kiewer Rus integriert. Im 11. / 12. Jahrhundert entstanden innerhalb des Kiewer Staates Fürstentümer in Polozk, Turow und Smolensk. Mit der Schwächung des Kiewer Rus im 13. / 14. Jahrhundert wurden die Gebiete des heutigen Weißrussland dem Großfürstentum Litauen eingeschlossen, in dem sie den größten Teil des Territoriums bildeten. Durch die Trennung von den altrussischen Staaten konnten sich Besonderheiten in Kultur, Sprache und Sitten entwickeln. Im 16. Jahrhundert schlossen sich Litauen und Polen zusammen. Der neugebildete Staat „Rzecz Pospolita“ zeigte sich wenig stabil und nach mehreren Teilungen fielen die Gebiete des heutigen Weißrussland im 18. Jahrhundert an Russland.
 
Mit dem Sturz des Zarismus in Russland wurde im Jahre 1917 in Minsk die Sowjetmacht ausgerufen. Zunächst bildete Weißrussland zusammen mit Litauen eine Sowjetrepublik mit der Hauptstadt Wilno. Anfang der 20-er Jahre fielen die westlichen Teile von Weißrussland an Polen und auf den sowjetischen Gebieten wurde die Belarussische Sozialistische Sowjetrepublik (BSSR) gegründet, die im Jahre 1922 der Sowjetunion beitrat. 1939 kam es in Folge des Hitler-Stalin-Paktes zur Wiedervereinigung Westweißrusslands mit der BSSR. Drei Jahre später besetzte Hitler Weißrussland. Die Jahre der Besatzung bis Juli 1944 waren die schwersten in der Geschichte Weißrusslands, die mehrere Tausende Opfer forderten. Das mit allen Einwohnern verbrannte Dorf Chatyn ist zum Symbol der nationalsozialistischen Grausamkeit geworden. Heute ist Chatyn eine Gedenkstätte für die Zivilopfer des Zweiten Weltkrieges.
 
Eine weitere Katastrophe ereignete sich im Jahre 1986, als ein Reaktor in Tschernobyl explodierte und die radioaktive Wolke über das Gebiet von Weißrussland zog, das dadurch am meisten betroffen war.
 
Nach dem Zerfall der Sowjetunion erklärte im Jahre 1991 Weißrussland seine Unabhängigkeit und trat der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) bei.