Zypern: Kultur

Die Entwicklung der zypriotischen Kultur ist eng mit den benachbarten griechischen und türkischen Völkern verknüpft.

Die ersten Zeugnisse der Literatur gehen auf den halblegendären Dichter Stasinus (6. – 7. Jahrhundert v.Chr.) zurück, der in dem epischen Zyklus Kypria die Ereignisse vor dem Trojanischen Krieg beschrieb. Im 3. Jahrhundert v.Chr. wirkte auf Zypern der Begründer der stoischen Philosophie Zenon von Kition. Im Mittelalter entstanden hier die sogenannten Akritischen Lieder, die als die Anfänge der neugriechischen Literatur betrachtet werden können, die Gesetzsammlung Assisen des Königreiches von Jerusalem und des Königreiches von Zypern und die Chroniken von Leontios Machairas, die die Zeit der fränkischen Herrschaft auf Zypern beschreiben. Die Gedichtsammlung Liebeslieder aus dem 15. Jahrhundert eröffnete die Renaissance auf Zypern und beinhaltet mehrere Übersetzungen italienischer Dichter. Die türkische Eroberung der Insel verlangsamte die Entwicklung der zypriotischen Literatur, die erst Ende des 19. Jahrhunderts wieder erwachte. Zu den bedeutenden Autoren der Moderne zählen Vasilis Michaelides, Dimitris Lipertis, Nicos Nicolaides, Costas Montis u.a. Die türkische Gemeinde Zyperns leistete ebenfalls ihren Beitrag zur Literatur. Es handelte sich überwiegend um Dichtung (Hasan Hilmi Efendi, Kutlu Adali, Osman Türkay), in letzter Zeit jedoch auch um Dramaturgie (Fadil Korkut, Uner Ulutug).
 
Die Musik Zyperns kann auf eine reiche Vergangenheit zurückblicken. Die ältesten musikalische Zeugnisse gehen auf Volksmelodien der benachbarten Griechen und Türken zurück. Im Mittelalter brachten die Kreuzritter die Musik aus Frankreich mit, die sich in Zypern verbreitete. Die eigenständige klassische Musik entwickelte sich im 20. Jahrhundert. In letzter Zeit verbreiteten sich auch moderne Stilrichtungen wie Jazz, Rock oder Hip Hop. Zu den bedeutendsten Komponisten Zyperns zählen Marios Joannou Elia, Nicolas Economou, Evagoras Karageorgis und Savvas Savva.
 
Die Malerei als eigenständiges Genre entstand im Mittelalter, als die Ikonenmalerei unter byzantinischem Einfluss in Zypern Einzug hielt, obwohl bereits in der Bronzezeit geometrische Muster die Tongefäße verschönerten oder Mosaiken die antiken Tempel schmückten. Die Mosaik-Kunst erlebte ihre Blüte während der frühbyzantinischen Periode (Panagía Angelolókistos-Kirche bei Kiti), jedoch auch in der heutigen Zeit (Kykkos-Kloster) ist sie weit verbreitet. Im 12. – 15. Jahrhundert verbreitete sich die Freskenmalerei (Kloster Ágios Neófytos in Paphos, Panagia Kanakaria-Kirche in Lythrangomi). Die Tafelmalerei erblühte nach dem 2. Weltkrieg. Unter den herausragenden Malern dieser Zeit sind Telemachos Kanthos, İsmet Güney Adamantios Diamantis und Stass Paraskos zu nennen.
 
Die Architektur Zyperns konnte in ihrer Entwicklung auf antike Vorbilder zurückgreifen. Die ältesten zum Teil erhalten gebliebenen Bauwerke gehen auf die Steinzeit (Chirokitia), Eisenzeit (Salamis) und die Bronzezeit (Enkomi) zurück. Die Insel besitzt ein reiches architektonisches Erbe aus der Antike (Paphos, Soli, Amathus). Die frühbyzantinische Epoche hinterließ überwiegend Kirchengebäude (Salamis, Soli, Kourion, Kiti). Aus der byzantinischen Zeit stammen die Kirchen Panayia tou Araka, Stavros tou Ayiasmati, Ayios Nikolaos tis Stegis und Panagia Phorbiotissa, sowie das Kykkos-Kloster. Die Bellapais-Abtei und die Kathedrale St. Nikolaos in Famagusta sind rare Beispiele der gotischen Sakralarchitektur in Zypern. Die Militärarchitektur dieses Stils dagegen ist gut repräsentiert (Limassol, Kyrenia), die nicht selten während der venezianischen Herrschaft modernisiert und erweitert wurden. Nach der Eroberung der Insel durch die Türkei entstanden zahlreiche Beispiele der islamischen Architektur – Moscheen (Selimiye, Hala-Sultan-Tekke, Ömerye), Bäder (Nikosía), Karawansereien (Büyük Han). Als britische Kolonie erlebte Zypern eine rege Bautätigkeit öffentlicher Gebäude, vor allem im Stil des Neuklassizismus.

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